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Meine persoenliche Weihnachtsgeschichte, oder von Erfahrungen, die ein Leben lang praegen. (Video)

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Ist nicht mehr lange, und Sie sitzen neben dem Weihnachtsbaum, der Tisch ueppig gedeckt mit allerlei Koestlichkeiten, und lassen sich diese auf der Zunge zergehen. Gaensebraten, Himbeertorte vielleicht? Kein Problem, mache ich auch. Ein Festschmaus zu Weihnachten sei jedem zugestanden. Nach einem arbeitsreichen Jahr darf man sich schon mal was goennen. Nichts laege mir ferner, als Ihnen diesen Genuss zu verderben.

Die weitaus meisten Leser und Zuschauer meines heutigen Videos, da bin ich mir sicher, haben nicht die Spur einer Ahnung, wovon ich ueberhaupt rede. Was will der Kerl mir denn jetzt wieder verklickern? Redet von Reisen in ferne Laender, redet von Maispampe, redet von einem gegessenen Ei und von armen Leuten. Der erzaehlt mir was von ueber Daecher geworfenen Huehnern und von Tigern, die durchs Dorf laufen. Jetzt ist der Kerl vollkommen abgedreht.

Ach, nicht so voreilig urteilen. Nicht wegklicken, nicht abschalten, einfach mal zuhoeren was ich zu sagen habe. 

Haben Sie auch so ein Erlebnis,

welches Sie ihr ganzes Leben lang gepraegt hat, ja, was sie auch nach vielen Jahren noch verfolgt? Haben Sie etwas erlebt, dass sich in Ihr Gedaechtnis unausloeschlich eingebrannt hat. Ich rede jetzt nicht von dem Moment, wo Sie ihr letztes supermodernes Handy ergattert haben und auch nicht vom ersten Kuss. Moegen alles schoene Erlebnisse gewesen sein. Aber das ist nicht was ich meine. Ich rede von Erlebnissen, die so einschneidend waren, dass sie Ihre Sicht auf die Welt veraendert haben.

Ich habe so ein Erlebnis. Liegt schon viele Jahre zurueck. Fast 30 Jahre. Da bin ich naemlich auf einer meiner vielen Reisen durch Gruende, die ich hier nicht erlaeutern moechte, in ein kleines Dorf am Fusse des Himalaya in Nepal gelangt. Ich kann Ihnen sagen, das war weit weg vom Schuss. Es hat zwei Tage gedauert, bis ich ueberhaupt dort ankam. Ein zwei Tage dauernder Marsch ueber Trampelpfade durch die Berge. Zwei Tagesmaersche von der naechsten Strasse. Kein Strom, kein fliessend Wasser, keine sanitaeren Einrichtungen. Nichts dergleichen. Das Dorf war so urspruenglich, vor mir hatten es erst einmal Auslaender betreten. Die kamen mit dem Helikopter, suchten nach Rohstoffen, haben keine gefunden und sind wieder abgezogen.

Zu Gast bei armen Leuten

Ich war zu Gast bei einer ziemlich armen Familie. Wenn ich jetzt das Wort “arm” benutze, dann meine ich das auch so. Die Familie, bei der ich gelebt habe, hatte kein Geld um Salz zu kaufen. Reis auch nicht, obwohl Reis in Nepal Grundnahrungsmittel ist. Ganz arme Leute, das kann ich Ihnen sagen. Die lebten ein Leben, das kann sich hier bei uns wohl kaum jemand vorstellen. Einfach Lehmhuette, strohgedeckt, eine Feuerstelle im Haus, ein paar grosse Toepfe und ein Fass eingelegtem Gemuese. Mehr war da nicht zu finden. Wasser musste aus einer Quelle einige Kilometer weit herbei getragen werden. In der Nacht liefen Tiger durchs Dorf, erkennbar an ihren Hinterlassenschaften und waehrend meiner Zeit dort, rund vier Wochen, wurde zwei Doerfer weiter eine Frau von einem Tiger getoetet. Ums Dorf herum verteilt an den Haengen der Huegel kleine Felder. Alles Handarbeit. Keine Maschinen. Es gab keine einzige Maschine in dem Dorf. Das einzige, was an die Moderne erinnerte, war ein kraechzendes batteriebetriebenes Radio. Mehr nicht.

Sie kennen das nur aus den youtube Dokus

Also ziemlich weit weg vom Schuss, wie man so schoen sagt. Weiter weg, als es wohl die meisten von Ihnen jemals erlebt haben und es sich auch nicht vorstellen koennen. Vor allem deshalb, weil ich es nicht als Teilnehmer einer Reisegruppe gesehen habe, sondern weil ich mit den Menschen dort gelebt habe. Ich habe mit auf den Reisfeldern gearbeitet, ich habe Oel in einem ausgehoehlten Baumstumpf aus undefinierbaren Fruechten gepresst, ich habe mit den Menschen dort in einem Fluss gefischt. Ich habe zugesehen, wie ein Wasserbueffel getoetet und zerlegt wurde, ich habe zugesehen, wie ein Huhn uebers Haus geworfen wurde, um die Goetter oder auch die Geister zu besaenftigen. Ich bin nachts hinters Haus gelaufen, um mein Geschaeft zu erledigen, immer den Tiger im Hinterkopf. Die ganze Palette.

Reisernte

Ich habe auch schon mal bei der Reisernte mitgeholfen. Vielleicht ruehrt daher mein Faible fuer den Getreideanbau. :)

Ich musste auch essen

Natuerlich habe ich auch mit den Menschen dort gegessen. Wohl weisslich hatte ich schon vor der Reise dort hin einen grossen Sack Lebensmittel gekauft. Ein Traeger hat ihn dort hin geschleppt. Aber viel war das nicht. Es hat gerade mal ausgereicht, um meinen Teil der Nahrung beizutragen, den ich in dieser Zeit auch verbraucht habe. Geht ja nicht an, Menschen zu besuchen und ihnen dann auf der Tasche zu liegen.

Besonders ueppig war das Nahrungsangebot nicht. Eigentlich bestand es ausschliesslich aus Mais mit ein wenig Gemuese. Vier Wochen lang jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend in heissem Wasser aufgequollenes Maismehl. Dazu ein wenig Gemuese in einer duennen Sauce, damit die Maispampe ueberhaupt nach etwas schmeckt. Was meinen Sie, wie lange machen Sie so etwas mit, wenn sie aus einem der reichsten Laender der Erde kommen, wie ich? Wie lange bleiben sie bei Kraeften, wie lange braucht es,  bis sie von Nahrungsmitteln phantasieren?

Ich kann es Ihnen sagen

Nach zwei Wochen fing ich an zu phantasieren. Ich habe seitenweise Nahrungsmittel in meinem Tagebuch notiert. Von Austern, die ich gar nicht mag, bis zu Zwiebeln. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viele Nahrungsmittel einem da so einfallen koennen, wenn sie richtig Hunger haben. Ich bin sicher, auf Anhieb fallen Ihnen mehr Wurst oder Kaesesorten ein, als die Familie in diesem Dorf ueberhaupt an Lebensmitteln zur Verfuegung hatten. Jeder Tante Emma Laden bei uns fuehrt ein vielfach groesseres Sortiment als den Menschen dort zur Verfuegung stand. Naechtelang habe ich dort gelegen und vor meinem inneren Auge sind, wie am Fliessband, Nahrungsmittel vorbeigezogen. Ich habe sie gesehen, gerochen, ich hatte den Geschmack im Mund. Sie glauben gar nicht, was da alles zusammen gekommen ist.

Mir sind nach zwei Wochen die Beine weggeknickt. Gequollener Mais mit Gemuese ist nicht der Kalorienbringer schlechthin. Mit dieser Nahrung kommen Sie und ich nicht aus. Ganz sicher nicht. Ich hatte einfach nur Hunger. Hunger, bis unter beide Arme, wie man so schoen sagt. Ein Gefuehl, dass sich wohl kaum jemand in unserem Lande vorstellen kann. Es sei denn, Sie sind an die 80 Jahre alt. Dann koennten Sie noch Erinnerungen an die Nachkriegszeit haben. Alle anderen, ausnahmslos alle anderen haben nicht die Spur einer Vorstellung davon, was Hunger bedeutet.

Haben Sie mich richtig verstanden?

Wenn Sie jetzt lachen, dann haben Sie nicht verstanden wovon ich spreche. Ich spreche nicht von Appetit, ich spreche von schierem blankem Hunger. Ich spreche davon, zu nicht genug zu Essen zu haben. Ich spreche davon, jeden Tag erneut ums Ueberleben kaempfen zu muessen. So wie es die Menschen dort in dem Dorf in Nepal tagtaeglich tun mussten. Diese Erfahrung, wenn auch nur auf Zeit, hat mich nie mehr losgelassen. Bis zum heutigen Tag.

Nun, ich bin nach vier Wochen wieder abgereist. Nach den zwei Tagen Rueckmarsch durch die Huegel musste ich mich erst einmal mehr als eine Woche erholen. So geschwaecht war mein Koerper. Ich konnte kaum laufen, mich kaum bewegen. Habe mich ein mal am Tag in Kathmandu in ein Restaurant geschleppt und gegessen, den Rest der Zeit im Bett gelegen.

Eine Appell an Sie

Lassen Sie sich Ihren Weihnachtsschmaus ruhig schmecken. Sie haben ihn sicher verdient. Aber eine Bitte habe ich an Sie. Weihnachten ist nicht nur die Zeit fuer Geschenke, nicht nur die Zeit des Schlemmens, sondern auch die Zeit, einmal ueber andere Menschen nachzudenken. Da waere es sicher nicht schlecht, einmal an all die Menschen ueberall auf der Welt zu denken, die nicht genug zu essen haben. Lassen Sie diese Menschen an Ihrem “unermesslichen” Reichtum teilhaben.

Zum Beispiel durch eine Spende an die Deutsche Welthungerhilfe.

Welthungerhilfe

Welthungerhilfe

Deutsche Welthungerhilfe e.V. Sparkasse KölnBonn

Konto: 1115   BLZ: 370 501 98   IBAN: DE15370501980000001115   BIC: COLSDE33

Warten Sie nicht. Helfen Sie.

In diesem Sinne, ich wuensche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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4 comments on “Meine persoenliche Weihnachtsgeschichte, oder von Erfahrungen, die ein Leben lang praegen. (Video)
  1. Fortsign sagt:

    Ich weiß wie das ist wenn man Scheiße frisst…Sorry für den Wortlaut.
    Wenn man keinen anderen Ausweg hat und sich zu fein ist um auf der Starße zu betteln, dann frisst man auch Dosenfutter…aber nicht wie jetzt jemand denken mag , ne leckere Erbsensuppe oder Linsen oder, oder, oder,
    Nein´,,,,Hundefutter habe ich gefressen,,,,frisch aus der Dose….das mag sich auch keiner Vorstellen…es sei denn, diese Herrschaften sind über 80 und kennen das aus den Nachkriegszeiten….
    So ist das, wenn es einem in Deutschland dreckig geht….heutzutage denken wir doch wir seien arm nur weil wir uns nicht den neusten Handyschrott leisten können.
    Heute gehts mir auch wieder gut, aber einigen nicht, ich möchte nicht wissen wie es ist wenn man Tag ein Tag aus nur Maispampe frisst……
    Mein Leidensweg ging nur 2 Jahre und diese 2 Jahre haben mich geprägt….mein Leben lang…..

    Heute habe ich eine Leitende Funktion in einem mittelständigen Unternehmen…..welch ein Wandel….habe meinen eigenen Garten aus dem ich mich versuche zu bedienen so weit wie es geht…..
    Und Danke Ralf……das es noch Menschen auf der Erde gibt die genau so denken und nicht so einen verkümmerten Menschlichen IQ und Verstand haben welcher durch Fernsehen, Werbung und Propaganda versaut ist.

  2. iomc sagt:

    Hallo Ralf,
    frohen Urlaub und die Festtage und Danke fuer dein Film.
    Wieso glaubst du das unter deinen Zuhoerern um es Mal so zu sagen nicht Menschen gibt, die sich sowas nicht vorstellen koennen?
    Ich erzaehle dir Mal meine Weihnachtsgeschichten (ein paar aus meinem Leben und der Erfahrung, die bis Heute noch gesammelt wird) – bin auch vielgereister Mensch und spreche Deutsch da ich das Glueck hatte von Deutschland waehrend des Krieges in Ex-Yugosalvien (genauer Sarajevo, wo ich geboren wurde) aufgenommen zu werden, allerdings und leider nicht sagen wir Mal so frueh genug.
    Ich bin dafuer Menschen in aller Welt zu helfen, allerdings wuerde ich gerne wissen wie diese Hilfe aussieht – ich spreche aus Erfahrung – von Europa und den USA gab es Hilfspackete – Menschen zahlten ein und von der Steuer wurde auch so einiges aufgebraucht.Nun schildere ich dir wie so ein HilfePacket aussah – Zigaretten wurden vorher rausgenommen und fuer mehr als 300 damals noch DM verkauft (1 Packet Malboro pro Paechcken). Alkohol 96% und Medikamente wurden in das Hospital gebracht, wobei der Alkohol mit irgendetwas vermischt wurde um es zu trinken – ab 93 gab es nur sterile in Alkohol getraenkte Tuecher. Dann gab es Ei und Milchpulver (Produktionsjahr 1980), Tuetensuppen (1970), und von der Firma IKAR – Rindfleisch in Dosen (1940), eine Tuete Fischpulver (um die 70er), ein T-shirt, 1 Muetze, kautschukwuerfeln – keine Kaugummies (ohne Scherz), eine Schokolade, die aber sehr oft auch vorher rausgenommen wurde… Als wir dann in Deutschland waren schickte Meine Mutter Packete an die Famillie (mein Vater verbrachte den gesammten Krieg dort, da er arzt ist) und Nachbarn – sie machte eine Liste was drinnen war, nun wenn es Mal ankam, kam um die 60-70% der Sachen an – der Rest verschwand unterwegs. Man stand um die 3-4h um so ein Packet zu bekommen, viel laenger um sein 5l Kanister mit Wasser zu fuellen (was uns hier in Norden und Westen EU so reich macht / noch ist WASSER und wenn es regnet sollten wir dankbar sein). Mehr will ich dazu nicht sagen, nach dem Krieg kam ich wieder fuer mehrere Jahre nach Sarajevo bis ich mich entschloss nach Frankreich zu ziehen.

    Dann war ich in Japan fuer ein paar wochen, nach dem grossen Erdbeben und ein Verein denn wir damals gegruendet haben hat um die 1500 EUR gesammelt und es in die Volksbank von Sarajevo eingezahlt um dort zu helfen. Nun in Japan selbst waren wir in Luxushotels mit 40 Lampen im Zimmer die um die 50m2 waren, assen in Restaurants und wurden ueberall herumgefahren in Taxies – bis auf die Medienpraesenz habe ich nur beobachtet, mein Geigermeter 3 x am Tag getestet und mein Aufenthalt hatte gar keinen Sinn dort und irgendwer hat dafuer bezahlt. Wie gesagt ich helfe gerne, will aber das es ein Sinn macht…

    Vom Onkelder in Guinea als Arzt ohne Grenzen arbeitet und sich eigentlich in Gefahr bringt – nicht um ebola zu bekommen aber von Menschen dort gesteinigt zu werden, da sie glauben das Sie den Tod bringen und nicht helfen will ich nicht reden.

    Wie du siehst kann ich mir deine Geschichte sehr gut vorstellen, kannst du dir vorstellen das wenn ein Auto vorbeifaehrt und sein Reifen platzt ich fast schon panisch in Entdeckung gehe? Ich bin deiner Meinung das Mann helfen soll, wie auch immer Man kann und sich dessen Bewusst ist wie gut es den meisten von uns geht. Damit verbleibe ich mit Frohes Fest und guten Rutsch und gehe nun in mein Tagebuch Wurstsorten aufzaehlen – bin Mal gespannt wie viele ich eigentlich kenne.
    LG aus Frankreich

  3. Andreas sagt:

    Danke für den Denkanstoß. Sicher gibt es viele sehr arme Leute auf der Welt. Auch bei uns ist nicht alles Gold was glänzt. Da ich bei der Tafel arbeite sehe ich das immer wieder. Leute ich wünsch euch ein frohes Fest und denkt wirklich mal über den Film nach. Es gibt auf der Welt genug Nahrung für alle aber sie wird falsch verteilt daran sollten wir alle Arbeiten. Bis nächstes Jahr lieber Ralf ich freu mich schon auf deine nächsten Filme.
    LG
    Andreas

  4. Anna sagt:

    An die Geschichte kann ich mich noch gut erinnern, Du hast sie schon mal erzählt.

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