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Warum Landwirte ganz ganz clevere Menschen sein muessen! (Video)

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Landwirte muessen ganz clevere Menschen sein! Da besteht fuer mich kein Zweifel mehr dran. Landwirte sind naemlich nicht die harten Kerle aus dem Schuetzenverein, die bis morgens um halb fuenf im Schuetzenzelt singen, mit 2,3 Promille nach Hause torkeln, sich einen Kaffe reinziehen, die Scheune aufmachen und sich ans Steuer ihres 250 PS starken hochmodernen Traktors setzen, um dann wie wild ueber die Felder zu sausen, dirigiert von einem Navigationsgeraet, von dem der herkoemmliche Autofahrer nur traeumen kann (am uebernaechsten Maulwurfshuegel scharf rechts abbiegen). Im Schlepptau diverse Geraetschaften, mit denen sich so ein Acker im Handumdrehen in eine Wueste verwandeln laesst, mit dem verglichen im Saharasand geradezu himmlische Lebensumstaende fuer Regenwuermer herrschen muessen. (Tschuldigung, ist mir so rausgerutscht).

Denken Sie nur nichts Falsches

Nein, nicht wie Sie vielleicht denken. Ich meine nicht damit, dass sie wissen muessen, wie man am schnellsten und am einfachsten die Subventionsmillionen aus Bruessel einstreicht. Oder noch schlimmer, wie man sie einstreicht und dabei auch noch die Steuer uebers Ohr haut. Ich meine auch nicht damit, dass die Landwirte wissen muessen, zu wem sie ihre Lobbyisten schicken muessen, um nur ja die Bevoelkerung vor zu viel Bioware zu beschuetzen. Ich meine auch nicht damit, dass der Landwirt von heute einen Doktortitel in organischer Chemie besitzen muss, um nur ja nicht die vielen schmackhaften Sueppchen, mit denen er die Ernten in ungeahnte Hoehen steigert, zu verwechseln. Und ich meine auch nicht die Tatsache, dass ein Landwirt heutzutage ein gewiefter PR Mann sein muss, denn es gilt ja den Verbrauchern plausibel zu machen, warum ein Huehnchen heutzutage noch ohne Beipackzettel verrkauft werden sollte, auf dem vor moeglichen Risiken und Nebenwirkungen gewarnt wird.

Wie bin ich jetzt zu dieser Erkenntnis gekommen?

Sie glauben es vielleicht nicht, aber ich habe diese bahnbrechende Erkenntnis vor ein paar Tagen im oertlichen Getreidesilo gefunden. Ich war naemlich da, weil ich mir dachte, es waere jetzt nach einem Jahr an der Zeit,

eine Bodenuntersuchung aus unserem Garten machen zu lassen, um zu wissen, woran ich ueberhaupt mit diesem Stueckchen Land bin, auf dem ich herumwerkele. Ich hatte naemlich letztens durch Zufall mitbekommen, dass man als Landwirt dort auch eine Bodenprobe zur Analyse abgeben kann.

Warum also mit der Post verschicken, wenn ich es auf dem Weg zum Kindergarten auch erledigen kann? Der nette Mann war auch sehr hilfsbereit. Hat mir einen vierseitigen Zettel und gleich zwei Papiertueten in die Hand gedrueckt. Den Zettel, um anzukreuzen was ich denn untersucht haben wolle, und die Tueten um meine Probe fachgerecht zu sammeln.

Gelesen und nix verstanden

Zuhause angekommen, habe ich mir diesen Zettel dann aber mal genauer angesehen und augenblicklich erkannt, dass Landwirte ganz ganz clevere Menschen sein muessen. So einen Auftrag zur Bodenuntersuchung mit Duengeempfehlung kann man naemlich ohne Diplom, ach, ohne Doktortitel in Agrarwissenschaft gar nicht verstehen. Ich befasse mich ja nun schon seit einigen Jahren mit dem Gaertnern, aber verglichen mit dem, was so ein Landwirt alles wissen, planen und vorausahnen muss, bin ich als Hobbygaertner ein wahrer Dilettant.

Ich greife mal einige Punkte aus diesem Zettel heraus, die mir besonders ins Auge fielen (mehr davon hoert man in meinem Video).

So ein Ackerboden wird natuerlich in verschiedene Bodenarten eingeteilt. Klar.

Bodenart 0 bedeutet

Sand, flachgruendig

Bodenart 1

Sand

Bodenart 2

lehmiger Sand, sandiger Schluff

Bodenart 3

stark sandiger Lehm, lehmiger Schluff

Bodenart 4

sandiger Lehm, schluffiger Lehm, Lehm

und Bodenart 5

schluffiger toniger Lehm, toniger Lehm, Ton.

Auf die richtige Planung kommt es an

Ist doch ganz einfach. Jetzt muss so ein Landwirt natuerlich auch im voraus planen. Ein Dreijahresplan muss es schon sein. Dieser gliedert sich natuerlich in Hauptfrucht und Nebenfrucht. Jede Hauptfrucht, jede Nebenfrucht und jede Dungart ist natuerlich mit einem Schluessel versehen, damit man eine genau auf die geplante Fruchtfolge und Bearbeitung ausgelegte Empfehlung geben kann. Fangen wir mal bei den Hauptfruechten an. Was es da so alles gibt. Diverse Getreidearten, Huelsenfruechte, Futterpflanzen wie Markstammkohl (habe ich noch nie gesehen), Chinaschilf, Faserhanf und Koernerhanf (leider fehlte der schwarze Afghane)  bis hin zu Blumenkohl und Zwiebeln. Selbst die Rueben teilen sich in Gehaltsrueben, Kartoffeln, Massenrueben, Mittelrueben (was ist eine Mittelruebe in Gottes Namen?) und Zuckerrueben.

Als Zwischenfruechte kommen so interessante Dinge wie der genannte Markstammkohl, Stoppelrueben, Gruenfutterroggen, Buchweizen oder Weidelgras, kurzlebig mit Klee/Kleegrasgemenge in Frage. Aber auch Raps fuer den Sommer und den Winter, Perserklee oder Felderbsen.

Richtig interessant wurde es aber, als ich die verschiedenen organischen Duengemittel gelesen habe. Die gehoeren natuerlich mit auf den Acker. Diese Liste gebe ich einmal ungekuerzt wieder.

In die Dungart Festmist faellt

Rindermist
Schweinemist
Schafmist
Pferdemist
Huehnerfrischkot
Huehnertrockenkot
getrockneter Huehnerkot (wo um alles in der Welt ist da der Unterschied?)
Huehnermist
und Putenmist

Die Dungart Jauche/Guelle umfast

Rinderjauche
Schweinejauche
Mischjauche
Milch-/ Jungviehguelle (Kann mal jemand einem Stadtmenschen den Unterschied zwischen Jauche und Guelle erklaeren. Stinkt doch beides, oder nicht?)
Rindermast-/Bullenguelle
Kaelberguelle
Mastschweinguelle
Mischguelle
Silagesickersaft
und Getreidestroh zu Erdbeeren.

Getoppt wird die ganze Sache dann nur noch von

Champignonerde
Kompost
Klaerschlamm fluessig
und Klaerschlamm fest (wer um alles in der Welt faehrt Klaerschlamm aufs Feld? Ist das nicht laengst verboten?)

Das muss man erst einmal alles unter einen Dreijahreshut kriegen. Gar nicht so einfach. Natuerlich muss man auch beruecksichtigen, ob die Erntereste der Zwischenfrucht abgefahren wird, oder ob sie auf dem Acker verbleibt. Die Niederschlagsmenge muss fuer drei Jahre im voraus bestimmt werden, genau so wie die Staerke des Aufwuchses.

Gott was bin ich froh, dass ich kein Landwirt bin. Das wuerde ich im Leben nicht mehr hinbekommen.

Und doch, auch ein noch so ausgefeilter Plan, auch eine noch so gute Analyse und Wettervorhersage, auch ein noch so langes Studium wuerde mir nicht helfen. Wenn das Wetter es wieder zulaesst, fahre ich mir naemlich Mist vom Nachbarn holen. Den kann ich in rauhen Mengen haben. Der haelt naemlich eine Herde aus Alpakas und Lamas.

Was hilft mir getrocknete Bullenguelle?

Verdammt noch mal, Alpakajauche und Lamascheisse war in diesem Blaettchen doch gar nicht vertreten. Wie soll ich denn jetzt nur meinen Garten planen?

Ich glaube, ich frage doch noch mal nach, ob es nicht eine Analyse fuer stinknormale ungebildete Hobbygaertner wie mich gibt.

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Veröffentlicht unter Dies und Das, Gemüseanbau, Im Internet gefunden Getagged mit: , , ,
10 comments on “Warum Landwirte ganz ganz clevere Menschen sein muessen! (Video)
  1. Markus sagt:

    … also das muss wohl auch von ganz früher her sein. Da hatte man eigentlich weniger Gülle- nur Jauchegruben. Das muss ja auch technisch alles stimmen, glaube ich zumindest, also ein bestimmtes Gefälle haben usw., Gülle ist ja zähflüssiger als Jauche, aber da bin ich jetzt ehrlichgesagt überfragt, bin ja auch kein richtiger Landwirt mit ner Güllegrube ;-). Vielleicht liest das hier ja mal so ein richtiger Bauer und kann das haargenau beantworten …
    Gruß,
    Markus

    • admin sagt:

      Hallo Markus

      Und letzendlich kommt so oder so alles aufs Feld. Warum also trennen. Aber vielleicht kommt ja noch eine Antwort darauf, warum man das gemacht hat.

      Gruss Rr

  2. Markus sagt:

    Hallo Ralf,

    das ist eine sehr gute Frage.
    Da gibts ja auch Jauche- und Güllegruben.
    In eine Güllegrube läuft alles zusammen ab. Also hinter der Kuh ist ein Gitterrost und wenn die dann macht, egal ob “groß oder klein” ;-), läuft das alles auf einmal ab in die Güllegrube. Bei Landwirten die keine Gülle-, sondern “nur” eine Jauchegrube haben, muss der Mist (Kot plus Stroh) extra entfernt werden und kommt auf einen Misthaufen und nur der Urin, also die Jauche fließt ab. Gibt es aber heutzutage immer weniger, weil unpraktisch.
    Bei z.B. 200 Milchkühen, wäre das ja eine Unmenge an Arbeit, zweimal am Tag den Mist aller Tiere mit der Schubkarre auf nen Misthaufen zu fahren. Allerdings bei kleineren Bauern gibts durchaus auch noch Jauchegruben.

    • admin sagt:

      Hallo Markus

      mir war eben nicht ganz klar, wie das denn getrennt werden soll. Es faellt doch einfach alles auf die Erde. Und warum auch, der Mist ist doch genauso Duenger, warum sollte ich ihn also von der Jauche trennen?

      Gruss RR

  3. Markus sagt:

    Hallo Ralf,

    Unterschied Jauche-Gülle: Jauche ist nur der Urin der Tiere, in Gülle ist dann auch noch der Kot und etwa die Einstreu enthalten. Man könnte auch sagen, Gülle ist flüssiger Mist.
    Wenn nur Jauche ausgebracht wird, ist das kaum sichtbar. Wohl aber bei Gülle, wenn alles so schön dunkelbraun ist ;-).

    CCM heißt Corn-Cob-Mix. Das ist Körnermais, von dem nur der Maiskolben geerntet wird, also Körner und Spindel. Bei der Ernte geschieht dies mit einem speziellen Maispflück-Vorsatz am Feldhäcksler. Der Kolben wird gehäckselt und kommt auf den Anhänger. Die Restpflanze wird zwar auch zerkleinert, verbleibt aber auf dem Acker. Geerntet wird, wenn die ganze Maispflanze schon komplett vertrocknet und gelb ist, meist Ende Oktober/Anfang November.

    Gruß,
    Markus

  4. Julia sagt:

    Hallo,

    da ich mich mit Boden beruflicherweise ganz gut auskenne, hier ein ganz guter Link, wie man die Bodenart als Laie bestimmen kann:

    http://www.lfl.bayern.de/labor_aktuell/artikel/12398/
    linkurl_0_0_0_5.pdf v.a. ab Folie 14 wird der Test beschrieben

    Wegen der Bodenuntersuchung bietet die Landwirtschaftskammer NRW dies extra für Kleingärtner an und die Preise sind ok:
    http://www.landwirtschaftskammer.de/
    verbraucher/garten/gartentipp084.htm
    Ich denke, solch eine Untersuchung ist bei Deinem Garten angemessen – das andere was Du beschrieben hast ist wirklich etwas für Landwirte mit großen Parzellen.

    Hier noch ein Hinweis zur Probenahme: http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/
    infoschriften/garten_allgemein/linkurl_0_6_0_0.pdf

    Kannst ja mal berichten, ob Dir die Links geholfen haben und ggf. von der Probenahme und den Untersuchungsergebnissen, würde mich interessieren!

    Viele Grüße,
    Julia

    • admin sagt:

      Hallo Julia

      Als ich den Film online hatte, bin ich mit meiner Probe zur Muehle. Dort hatten die mittlerweile herausgefunden, dass es auch einen Test fuer Hobbygaertner gibt. Den habe ich eingereicht. Kommt demnaechst ein Film drueber. Die Links kannte ich noch nicht. Vielen Dank.

      Gruss RR

  5. Stephan sagt:

    Hallo Gärtner,

    das ist doch einfach zu verstehen!

    1.das oertliche Getreidesilo nimmt an, daß Du Dein Geld mit Deinem Boden verdienst und deshalb wenigstens Lehm und Sand unterscheiden kannst. Und: Du bist ein kleines bisschen falsch dort.
    2.„-Huehnertrockenkot
    -getrockneter Huehnerkot (wo um alles in der Welt ist da der Unterschied?)“ Trockenkot entsteht, wenn Du faul bist und die Scheiße schon trocken ist, bevor Du tätig wirst und „getrocknet“ bedingt technische Trockenanlagen. ;-)
    3.Unterschied Jauche – Gülle>>> http://de.wikipedia.org/wiki/Jauche
    4.Alpaka und Lama würde ich bei Schaf einordnen. Ist aber wohl zu modern für die moderne Landwirtschaft. Oder dann auch zu alt…
    5.Auch wenn ich persönlich Deine Kopfstände, die Du manchmal veranstaltest, etwas nervig finde, mache bitte weiter so und schreibe es dann schön hier auf! Wenn es mal nicht lehrreich und hoch interessant ist, ist es doch zumindest unterhaltsam. Danke Dir dafür!

    Freundlichste Grüße
    Stephan

    Edit: Weiß jetzt nicht was Du im Video sagst, meine Musik ist so laut, ich versteh Dich nicht. :-) http://blog.rebellen.info/2011/03/06/sunday-joint-mushroom-jazz/
    Sollte ich Dir nochmal etwas lauter zuhören?

    • admin sagt:

      Hallo Stephan

      Gut, das mit dem Huehnerkot ist mir klar. Warum aber sollte der einen Unterschied in der Duengewirkung aufweisen? Scheisse ist Scheisse. Dann weiss ich wenigstens woran ich mit dem Alpakamist bin. Kopfstaende? Ich sehe die Sache aus dem Blickwinkel eines Laien. Ich nehme an, dann hast du mit dieser Materie desoefteren zu tun. Klar das dir das manchmal komisch vorkommt.

      Gruss RR

1 Pings/Trackbacks für "Warum Landwirte ganz ganz clevere Menschen sein muessen! (Video)"
  1. [...] ich mir ja die Unterlagen fuer eine Bodenuntersuchung vor einiger Zeit geben lassen habe, wie sie ein Landwirt machen laesst, war ich ja schon fast der Verzweiflung nahe. Jetzt gaertnere ich schon einige Jahre vor mich her, [...]

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