{"id":8784,"date":"2010-09-18T21:32:57","date_gmt":"2010-09-18T19:32:57","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/?p=8784"},"modified":"2010-09-18T21:29:31","modified_gmt":"2010-09-18T19:29:31","slug":"selbstversorgung-und-die-probleme-mit-kindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/selbstversorgung-und-die-probleme-mit-kindern\/","title":{"rendered":"Auch ein Gartenblogger darf doch mal heulen! Oder: der Traum von mehr Selbstversorgung im Einklang mit Kindern."},"content":{"rendered":"<p>Der ein oder andere mag sich fragen, warum hier auf diesem Blog in den letzten Monaten so wenig ueber Gartenthemen berichtet wurde. Tja, das tut mir auch wirklich ausserordentlich leid.<\/p>\n<p>Und dabei hatte ich mir die Sache nach unserem Umzug aufs <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/8267\/\">Land<\/a> doch gewaltig anders vorgestellt. Eigentlich hatten wir geplant, einen grossen <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/gemueseanbau\/gemuesegarten-neu-anlegen-eine-anleitung-mit-video\/\">Garten anzulegen<\/a>, der ausreichen wuerde, um unsere Familie groesstenteils uebers Jahr zu ernaehren. Ich hatte geplant, mich um alternative <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/stromverbrauch-waschmaschine-energieaufwand-biogasanlage\/\">Energien<\/a> zu kuemmern, ich hatte geplant, genuegend Obstbaeume anzupflanzen und noch vieles mehr. In diese Richtung sollte der Zug fahren. Und was ist draus geworden? Unser Garten existiert bisher nur in unserer Phantasie, es ist noch kein Obstbaum gepflanzt, kein Beerenstrauch in der Erde, keine Solarpanel auf dem Dach. Wir kaufen weiter unsere Lebensmittel zu einem grossen Teil im Supermarkt, zum Brot <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/getreideanbau-im-hobbygarten-das-geht-ohne-weiteres\/\">backen<\/a> fehlt uns meist die Zeit, wir beziehen weiterhin unseren Strom aus de Steckdose.<\/p>\n<p>Woran liegt das nun? <!--more--><\/p>\n<p>Das kann ich Ihnen sagen: Ich haette nicht fuer moeglich gehalten, dass zwei Kinder einen so auf Trab halten koennen wie unsere beiden es machen.<\/p>\n<p>Das gesamte Leben dreht sich um die Soehne. Von morgens bis in den spaeten Abend dreht sich alles um Kinder. Entweder direkt weil wir uns mit ihnen befassen, ihnen vorlesen oder Bilderbuecher anschauen, weil wir ihnen was leckeres kochen oder mit ihren Kaninchen zum Tierarzt fahren. Entweder weil sie krank sind, eine neue Windel brauchen oder zum Fussball gefahren werden wollen. (Zu allem Ueberfluss habe ich mich auch noch zum Trainer Bambini\/F-Jugend machen lassen, dreimal die Woche). Oder aber indirekt weil wir zu Elternversammlungen muessen, die noetigen Einkaeufe fuer die Vielfrasse taetigen, die Waesche waschen oder die Unordnung beseitigen, die die beiden im Laufe des Tages produziert haben.<\/p>\n<p>Ich habe jetzt als Hausmann sechs Monate hinter mir und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass einem\u00a0zwei Kinder, von denen einer mit zwei Jahren noch nicht im Kindergarten ist (seit zwei Wochen geht er nun\u00a0in den Kindergarten), fuer irgendeinen klaren Gedanken keinen Platz lassen. Ich hab&#8217;s wirklich versucht. Ich habe versucht, den Kleinen mit einzubeziehen. Hab mit ihm versucht, die Wiese umzugraben, hab mit ihm versucht, Pflanzen vorzuziehen, ich habe versucht mit ihm zusammen die Tiere zu versorgen und kam immer wieder zu dem Schluss, dass mit einem Zweijahrigen im Schlepptau an irgendein Weiterkommen nicht zu denken ist. Einem zweijaehrigen den Nutzen der Salatpflanzenvoranzucht zu erklaeren, ist ungefaehr genauso sinnig wie einem Pferd Einstein&#8217;s Relativitaetstheorie naeher zu bringen. Egal was ich anfangen wollte, mit dem Kleinen dauert es eine Ewigkeit. Entweder, er kniet in der Furche und sucht genau dort, wo ich gerade umgrabe nach Regenwuermern, oder er faellt der Lange nach ganz einfach hinein und schreit. Entweder er verteilt die Anzuchterde auf dem gesamten Hof, oder aber wirft mit den teuren Salatsamen um sich. Entweder er hat Angst vor den <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/huehnerhaltung-kuekenaufzucht-mit-problemen\/\">Huehnern<\/a> und will auf den Arm genommen werden, oder aber er faellt direkt der Laenge nach in die Huehnerkacke. Entweder ist ihm der <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/kornkreis\/\">Rasenmaeher<\/a> zu laut, oder aber ich bin mit dem Maeher zu weit weg, so dass er protestiert. Ganz nebenbei, egal was ich in die Haende genommen habe, der Kleine musste genau in diesem Moment genau dasselbe Geraet unbedingt haben. Ganz abgesehen von all den anderen Dingen, bei denen so ein Kleiner nicht unbedingt hilfreich ist. Ich raeume die Spuelmaschine ein, der Kleine raeumt sie wieder aus. Ich versuche, etwas Essbares in der Kueche zu brutzeln, der Kleine faengt zwischen meinen Beinen am heissen Herd an, sich auf der Erde zu rollen. Ich moechte kurz meine Mails abrufen oder auf einen Kommentar hier antworten, der Kleine kommt mit seinen Buechern angelaufen oder zieht an der Maus.\u00a0(Deswegen dauert es oft so lange bis ich antworte \ud83d\ude42 ). So ging das den ganzen Tag. Mir scheint, Kinder koennen einfach nicht sehen, wenn die Eltern einmal eine Minute fuer sich brauchen, und sei diese Minute auch noch so kurz.<\/p>\n<p>Dazu kommt natuerlich noch die ganze andere Arbeit. Anziehen, Umziehen, Windeln wechseln, Schuhe an, Schuhe aus, Jacke an, Jacke aus, hier ein Keks und da ein Aepfelchen, da das Bobbycar reparieren oder dort aufpassen, dass er nicht von der Rutsche faellt. Nebenbei noch Kochen, ins Bett bringen, versuchen ihn aufs Toepfchen zu setzten, baden, Zaehneputzen usw usw.<\/p>\n<p>Um halb drei kommt der Grosse aus dem Kindergarten. (Mittlerweile geht er in die Schule). Dann ging das Geschrei erst richtig los. Darf ich einen Keks, darf ich etwas Suesses, darf ich zu meinem Freund, darf ich Lego. Dann wird sich gezankt und gepruegelt, geschubst und gegenseitig die Spielsachen weggenommen. Streit schlichten hier, Frieden stiften dort, vor Wasserpistolen davonlaufen und Gartenschlaeuche zudrehen, bevor das Wasserwerk anruft und meldet, dass sie so viel Waser nicht nachliefern koennen. Es soll niemand annehmen, die Kinder wuerden auch mal genau das tun, was ich ihnen sage. Und das auch noch relativ zeitnah. Ohne Palawer ist das kaum zu machen. &#8218;&#8220;&#8218;Ich muss grad noch..&#8220; oder &#8222;Mach ich gleich&#8220; kann ich schon nicht mehr hoeren. Zumal gleich nur heisst, dass mein Wunsch schon wieder aus dem anderen Ohr ins Nirwana verschwunden ist.<\/p>\n<p>Gut, ich will mich nicht beklagen. Wir versuchen, aus ihnen aufrechte Menschen zu machen. Wenn aber der Grossej (6\u00a0Jahre alt!)\u00a0einem schon an den Kopf wirft, er muesse dies oder jenes jetzt nicht machen weil er ein &#8222;freier Mensch sei&#8220;, dann frage ich mich, ob wir es mit der Selbststaendigkeit und Eigenverantwortung, mit dem Wunsch nach Kindern die &#8222;ihren Mann stehen&#8220; und sich &#8222;kein X fuer ein U vormachen lassen&#8220; nicht doch ein wenig uebertrieben haben&#8230;.<\/p>\n<p>Machen die Kinder dann doch irgendwann die Augen zu, fallen wir am Abend todmuede auf die Couch und schaffen es gerade noch, den Fernseher anzuschalten und uns von billigen Krimisendungen berieseln zu lassen. Fuer einen klaren Gedanken ist da kein Platz mehr. Fuer Gartenarbeit sind die Knochen zu muede, und die Huehner haben schon oft genug eine Nacht ohne Wasser und Brot, Aeh, Koerner verbringen muessen. Nach einem Tag voller Kindergeschrei, nach einem Tag voller Hektik und Gezeter kann auch ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Mir fallen die Augen zu. Bis wieder einer von beiden wach wird. Der eine will trinken, der andere hat Husten, der eine hat einen Alptraum, der andere sucht sein Schmusetier. All unsere Plaene sind in weite Ferne gerueckt. So kommt es mir jedenfalls vor.<\/p>\n<p>Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit dem was ich schreibe so richtig klar rueberkomme. Im allgemeinen ist es ja so, dass Menschen, mit denen man ueber das Thema &#8222;Kinder&#8220; spricht nicht mehr ganz nachvollziehen koennen, wovon man eigentlich redet. Jedenfalls bei denen, die diese Lebensphase schon einige Jahre hinter sich haben. Die Zeit heilt alle Wunden, und das Hirn hat wohl die Tendenz, Dinge auszublenden die nicht ganz so angenehm waren, die einen an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Wirklich nachvollziehen konennen das wohl nur diejenigen, die selbst noch kleine Kinder haben, die selbst seit Jahren keine ruhige Nacht mehr gehabt haben, die selbst, man sagt so schoen, auf dem Zahnfleisch gehen.<\/p>\n<p>Ich habe mich immer fuer einen einigermassen ruhigen Menschen gehalten, der mit Nerven aus Drahtseilen bestueckt ist. Ist aber erst einmal der halbe Sack Blumenerde zusammengekehrt, die Samentuetchen wieder sortiert, die Wohnung von Gummistiefel-Huehnerkackenresten gereinigt, die Legosteine eingesammelt und die Buecher wieder ins Regal eingeraeumt, sind erst einmal die Streitigkeiten geschlichtet und die Bonbons verteilt, die Baelle von Nachbars Grundstueck eingesammelt und die Papierflieger aus den Dachrinnen geholt, die Wasserschlaeuche weggeraeumt und die Werkzeuge wieder in der Werkstatt verstaut, die Schnupfnasen geputzt und die schmutzigen Klamotten in der Waesche, sind erst einmal die Traenen abgetrocknet und der Sandkasten abgedeckt, die Zaehne geputzt und die Maeuler gestopft (aeh, andersherum), dann koennte man denken, man haette es geschafft. Aber auch nur fast. Denn dann erschallt der Ruf &#8222;Papa, nackig toben&#8220; und spaetestens dann ist der Moment gekommen, an dem auch keine Nerven aus Drahtseilen mehr helfen. Dann gibt man sich einfach geschlagen und muss sich mit dem Gedanken abfinden, dass die eigenen Plaene keine Bedeutung mehr haben, die eigenen Wuensche auf das naechste Jahrhundert verschoben werden muessen, der eigene knurrende Magen nichts zu futtern bekommt, der eigene Bart wohl auch die naechsten Wochen nicht rasiert werden wird und das naechste &#8222;Schmusen&#8220; wohl erst passiert, wenn beide Kinder eigene &#8222;Blagen&#8220; haben, sofern es dann nach all den Jahren voller Stress noch klappt. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>So, jetzt habe ich mich genug ausgeko..t. Ich hoere schon wieder einen schreien. Muss mal nachsehen, was da wieder passiert ist. Und schlafen werde ich in dieser Nacht in der Gewissheit, dass es morgen in genau demselben Rhythmus weiter geht, die Zwiebeln auf dem Beet verfaulen, die Huehner vor Bauchschmerzen gackern, die Kaninchen vor Hunger im Dreieck springen, und unser erster Obstbaum wohl erst im Herbst 2042 gepflanzt werden wird. Von dem werde ich dann allerdings keinen Apfel mehr ernten koennen. Dann liege ich laengst in der Kiste.<\/p>\n<p>Uebrigens, um was fuer Rabauken es sich da handelt koennen Sie auf<a href=\"http:\/\/bobelo.de\/\" target=\"_blank\"> bobelo.de <\/a>selbst feststellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ein oder andere mag sich fragen, warum hier auf diesem Blog in den letzten Monaten so wenig ueber Gartenthemen berichtet wurde. Tja, das tut mir auch wirklich ausserordentlich leid. Und dabei hatte ich mir die Sache nach unserem Umzug aufs Land doch gewaltig anders vorgestellt. 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