{"id":7477,"date":"2010-03-03T23:05:49","date_gmt":"2010-03-03T21:05:49","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/gemueseanbau\/7477\/"},"modified":"2010-10-10T18:01:32","modified_gmt":"2010-10-10T16:01:32","slug":"erfahrungen-eines-hotelmanagers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/erfahrungen-eines-hotelmanagers\/","title":{"rendered":"Hotelmanager ist kein einfacher Job. Wirklich nicht!"},"content":{"rendered":"<p>Vorweg gesagt, mein bester Artikel ist dies nicht. Ich schreibe nur darueber, weil mich diese Begebenheit so getroffen hat. Meine bessere Haelfte meinte, ich solle die Finger von diesem Ereignis lassen und nicht darueber schreiben. Hab mich aber doch dafuer entschieden um zu zeigen, in welch groteske Situationen, die sich so schwer in Worte fassen lassen, ein Hotelmanager kommen kann. Sie muessen ja nicht weiterlesen. <!--more--><\/p>\n<p>Ich moechte noch eine kleine Episode aus unserem &#8222;frueheren Leben&#8220; berichten. Aus der Zeit, als wir unser Geld noch im Hotelbusiness verdient haben. Eine winzig kleine Begebenheit, an die ich mich aber noch heute erinnere, als waere sie gestern gewesen. Ein kleiner Satz, der sich ins Gedaechtnis eingepraegt hat und den ich auch nicht mehr hinaus bekomme, weil er er einfach so grotesk fehl am Platze war wie er nur sein konnte. <\/p>\n<p>Gelegentlich habe ich einmal Zeit und die Lust dazu gehabt, mich naeher mit Gaesten zu unterhalten. Das kam nicht unbedingt sehr oft vor. Nach einigen Jahren hat man die meisten Geschichten schon einmal gehoert. Es musste schon ein wirklich interessanter Lebenslauf sein, um sich noch daf\u00fcr zu interessieren. Wir haben unser Geld damit verdient, Menschen eine angenehme und saubere Hoteluebernachtung zu verkaufen, nicht aber, um fuer andere Leute Seelsorger zu spielen. Es mag Berufe geben, bei denen es zum Geschaeft gehoert, sich die Geschichten anderer Leute anzuhoeren. Wenn ich in eine Kneipe gehe, mir meine Bierchen schluerfe, dann erwarte ich, dass die Frau oder der Mann hinter dem Tresen ein offenes Ohr fuer meine Probleme hat. Deswegen gehe ich ja gerade in eine Kneipe und liege nicht mit meiner Frau im Bett. Bei einem Polizisten ist es Teil des Jobs, sich die Geschichten anderer Leute anzuhoeren. Mit Interesse, und seien sie auch noch so haarstraeubend. In einer kleinen Pension mit 5 Zimmern und gemuetlicher privater Athmosphaere mag es vielleicht noch angebracht sein, ein wenig auf den Gast einzugehen. Als Hotelier ab einer gewissen Hotelgroesse sehe ich die Sache etwas anders. Der Gast kommt, hat eine angenehme Zeit im Hotel, kann ausschlafen, sich beim Fruehstueck staerken und dann voller Elan den neuen Tag beginnen. Das ist es, was ein Hotel bieten muss. Keine Seelsorge. <\/p>\n<p>Ich habe nach einigen Jahren eine solch grosse Menschenkenntnis angesammelt, dass ich einen Menschen schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haette beschreiben koennen, in dem Moment als er durch die Tuer kam. Der Gast hat noch nicht einmal den Mund aufmachen muessen, und ich habe schon gewusst, in welche Schublade er hineingehoert. Blick, Kleidung, Gang, Frisur, das hat in den meisten Faellen genuegt. Bei ganz wenigen hat es noch eines Satzes bedurft, und ich habe gewusst wer vor mir steht. Das mag ueberheblich klingen. Verstehen werden mich aber all die Menschen, die selbst mit Kunden, mit Gaesten oder generell mit Menschen zu tun haben.<\/p>\n<p>Jedenfalls stand ich eines Tages mit einem Gast an einem Tisch, jeder eine Tasse Kaffee in der Hand. Wir unterhielten uns ueber dies und das. Wie wir nun genau auf dieses Thema kamen, ich kann mich nicht mehr erinnern. Ist aber auch belanglos. Es handelte sich um einen Mann mittleren Alters, staemmige Figur, Drei- Tage-Bart, Aussendienstmitarbeiter fuer irgendein Unternehmen, wie so viele Gaeste in unserem Hotel. Die haben schon einen harten Job. Viele sind 5, manchmal auch 6 Tage in der Woche in ganz Deutschland unterwegs, sehen ihre Familie nicht und sitzen am Abend vor dem Hotel und telefonieren mit ihren Frauen, sagen ihren Kindern mit Traenen in den Augen gute Nacht. Einziger Zeitvertreib ist fernsehen oder der Laptop. Jeden Tag in immer anderen Restaurants zu essen, den schnellen Kaffee auf der Autobahnraststaette. Ich bewundere die Menschen, die diesen Job viele Jahre machen, ohne daran zu scheitern. <\/p>\n<p>Eine Arbeit die ich nicht machen moechte. <\/p>\n<p>Ich schweife schon wieder ab. Jedenfalls meinte der Gast zu mir, er <strong>wuerde immer Slipeinlagen benutzen, gegen den braunen Ausfluss<\/strong>. <\/p>\n<p>Genau, ganz genau das sind die Geschichten, die ich am Abend unbedingt hoeren moechte. Ich kann ja verstehen, wenn jemand Probleme diesbezueglich hat. Aber mal im Ernst gefragt, ist das eine Neuigkeit die ich dem Mann an der Hotelrezeption am Abend erzaehlen wuerde? Ich fuer meinen Fall haette schon Schwierigkeiten das, wenn es denn so waere, meiner eigenen Mutter zu erzaehlen. So besoffen koennte ich gar nicht sein, um das einem wildfremden Menschen todernst zu erklaeren. Und es war auch kein Scherz, der Mann war auch nicht betrunken. Nein, dieser gestandene Mann hat das als Tipp verstanden. Ganz serioes und todernst. Es gibt Tipps, auf die ich gut und gerne verzichten kann.<\/p>\n<p>Wenn ich mich recht erinnere, hat noch jemand anderes mit am Tisch gestanden. Wir haben uns kurz angesehen, und wir haben beide dasselbe gedacht. <\/p>\n<p>Weitere Artikel aus dieser Serie sind. <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/hoer-mal-wer-da-spricht\/\">Hoer mal, wer da spricht! Hoeren Sie genau auf Ihre Steckdosen<\/a> und <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/chinesen-in-deutschland-kultuirelle-unterschiede\/\">Kulturelle Unterschiede, oder wie Chinesen Broetchen essen.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorweg gesagt, mein bester Artikel ist dies nicht. Ich schreibe nur darueber, weil mich diese Begebenheit so getroffen hat. Meine bessere Haelfte meinte, ich solle die Finger von diesem Ereignis lassen und nicht darueber schreiben. 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