{"id":19782,"date":"2014-12-21T21:40:08","date_gmt":"2014-12-21T19:40:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/?p=19782"},"modified":"2014-12-21T21:36:13","modified_gmt":"2014-12-21T19:36:13","slug":"meine-persoenliche-beste-weihnachtsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/meine-persoenliche-beste-weihnachtsgeschichte\/","title":{"rendered":"Meine persoenliche Weihnachtsgeschichte, oder von Erfahrungen, die ein Leben lang praegen. (Video)"},"content":{"rendered":"<p>Ist nicht mehr lange, und Sie sitzen neben dem Weihnachtsbaum, der Tisch ueppig gedeckt mit allerlei Koestlichkeiten, und lassen sich diese auf der Zunge zergehen. Gaensebraten, Himbeertorte vielleicht? Kein Problem, mache ich auch. Ein Festschmaus zu Weihnachten sei jedem zugestanden. Nach einem\u00a0arbeitsreichen Jahr darf man sich schon mal was goennen. Nichts laege mir ferner, als Ihnen diesen Genuss zu verderben.<\/p>\n<p>Die weitaus meisten Leser und Zuschauer meines heutigen Videos, da bin ich mir sicher, haben nicht die Spur einer Ahnung, wovon ich ueberhaupt rede. Was will der Kerl mir denn jetzt wieder verklickern? Redet von Reisen in ferne Laender, redet von Maispampe, redet von einem gegessenen Ei und von armen Leuten. Der erzaehlt mir was von ueber Daecher geworfenen Huehnern und von Tigern, die durchs Dorf laufen. Jetzt ist der Kerl vollkommen abgedreht.<\/p>\n<p>Ach, nicht so voreilig urteilen. Nicht wegklicken, nicht abschalten, einfach mal zuhoeren was ich zu sagen habe.\u00a0<!--more--><\/p>\n<h2>Haben Sie auch so ein Erlebnis,<\/h2>\n<p>welches Sie ihr ganzes Leben lang gepraegt hat, ja, was sie auch nach vielen Jahren noch verfolgt? Haben Sie etwas erlebt, dass sich in Ihr Gedaechtnis unausloeschlich eingebrannt hat. Ich rede jetzt nicht von dem Moment, wo Sie ihr letztes supermodernes Handy ergattert haben und auch nicht vom ersten Kuss. Moegen alles schoene Erlebnisse gewesen sein. Aber das ist nicht was ich meine. Ich rede von Erlebnissen, die so einschneidend waren, dass sie Ihre Sicht auf die Welt veraendert haben.<\/p>\n<p>Ich habe so ein Erlebnis. Liegt schon viele Jahre zurueck. Fast 30 Jahre. Da bin ich naemlich auf einer meiner <a href=\"http:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/was-hat-das-alles-nun-mit-unserem-garten-zu-tun\/\" target=\"_blank\">vielen Reisen<\/a> durch Gruende, die ich hier nicht erlaeutern moechte, in ein kleines Dorf am Fusse des Himalaya in Nepal gelangt. Ich kann Ihnen sagen, das war weit weg vom Schuss. Es hat zwei Tage gedauert, bis ich ueberhaupt dort ankam. Ein zwei Tage dauernder Marsch ueber Trampelpfade durch die Berge. Zwei Tagesmaersche von der naechsten Strasse. Kein Strom, kein fliessend Wasser, keine sanitaeren Einrichtungen. Nichts dergleichen. Das Dorf war so urspruenglich, vor mir hatten es erst einmal Auslaender betreten. Die kamen mit dem Helikopter, suchten\u00a0nach Rohstoffen, haben keine\u00a0gefunden und sind wieder abgezogen.<\/p>\n<h2>Zu Gast bei armen Leuten<\/h2>\n<p>Ich war zu Gast bei einer ziemlich armen Familie. Wenn ich jetzt das Wort &#8222;arm&#8220; benutze, dann meine ich das auch so. Die Familie, bei der ich gelebt habe, hatte kein Geld um Salz zu kaufen. Reis auch nicht, obwohl Reis in Nepal Grundnahrungsmittel ist. Ganz arme Leute, das kann ich Ihnen sagen. Die lebten ein Leben, das kann sich hier bei uns wohl kaum jemand vorstellen. Einfach Lehmhuette, strohgedeckt, eine Feuerstelle im Haus, ein paar grosse Toepfe und ein Fass eingelegtem Gemuese. Mehr war da nicht zu finden. Wasser musste aus einer Quelle einige Kilometer weit herbei getragen werden. In der Nacht liefen Tiger durchs Dorf, erkennbar an ihren\u00a0Hinterlassenschaften und waehrend meiner Zeit dort, rund vier Wochen, wurde zwei Doerfer weiter eine Frau von einem Tiger getoetet.\u00a0Ums Dorf herum verteilt an den Haengen der Huegel kleine Felder. Alles Handarbeit. Keine Maschinen. Es gab keine einzige Maschine in dem Dorf. Das einzige, was an die Moderne erinnerte, war ein kraechzendes batteriebetriebenes Radio. Mehr nicht.<\/p>\n<h2>Sie kennen das nur aus den youtube Dokus<\/h2>\n<p>Also ziemlich weit weg vom Schuss, wie man so schoen sagt. Weiter weg, als es wohl die meisten von Ihnen jemals erlebt haben und es sich auch nicht vorstellen koennen. Vor allem deshalb, weil ich es nicht als Teilnehmer einer Reisegruppe gesehen habe, sondern weil ich <strong>mit<\/strong> den Menschen dort gelebt habe. Ich habe mit auf den Reisfeldern gearbeitet, ich habe Oel in einem ausgehoehlten Baumstumpf aus undefinierbaren Fruechten gepresst, ich habe mit den Menschen dort in einem Fluss gefischt. Ich habe zugesehen, wie ein Wasserbueffel getoetet und zerlegt wurde, ich habe zugesehen, wie ein Huhn uebers Haus geworfen wurde, um die Goetter oder auch die Geister zu besaenftigen. Ich bin nachts hinters Haus gelaufen, um mein Geschaeft zu erledigen, immer den Tiger im Hinterkopf. Die ganze Palette.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19789\" aria-describedby=\"caption-attachment-19789\" style=\"width: 196px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-19789\" src=\"http:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-196x300.jpg\" alt=\"Reisernte\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-196x300.jpg 196w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-100x152.jpg 100w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-150x229.jpg 150w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-200x305.jpg 200w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-300x458.jpg 300w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte-450x687.jpg 450w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Reisernte.jpg 458w\" sizes=\"(max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19789\" class=\"wp-caption-text\">Ich habe auch schon mal bei der Reisernte mitgeholfen. Vielleicht ruehrt daher mein Faible fuer den Getreideanbau. \ud83d\ude42<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Ich musste auch essen<\/h2>\n<p>Natuerlich habe ich auch mit den Menschen dort gegessen. Wohl weisslich hatte ich schon vor der Reise dort hin einen grossen Sack Lebensmittel gekauft. Ein Traeger hat ihn dort hin geschleppt. Aber viel war das nicht. Es hat gerade mal ausgereicht, um meinen Teil der Nahrung beizutragen, den ich in dieser Zeit auch verbraucht habe. Geht ja nicht an, Menschen zu besuchen und ihnen dann auf der Tasche zu liegen.<\/p>\n<p>Besonders ueppig war das Nahrungsangebot nicht. Eigentlich bestand es ausschliesslich aus Mais mit ein wenig Gemuese. Vier Wochen lang jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend in heissem Wasser aufgequollenes Maismehl. Dazu ein wenig Gemuese in einer duennen Sauce, damit die Maispampe ueberhaupt nach etwas schmeckt. Was meinen Sie, wie lange machen Sie so etwas mit, wenn sie aus einem der reichsten Laender der Erde\u00a0kommen, wie ich? Wie lange bleiben sie bei Kraeften, wie lange braucht es, \u00a0bis sie von Nahrungsmitteln phantasieren?<\/p>\n<h2>Ich kann es Ihnen sagen<\/h2>\n<p>Nach zwei Wochen fing ich\u00a0an zu phantasieren. Ich habe seitenweise Nahrungsmittel in meinem Tagebuch notiert. Von Austern, die ich gar nicht mag, bis zu Zwiebeln. Haben Sie eine Vorstellung davon, wie viele Nahrungsmittel einem da so einfallen koennen, wenn sie richtig Hunger haben. Ich bin sicher, auf Anhieb fallen Ihnen mehr Wurst oder Kaesesorten ein, als die Familie\u00a0in diesem Dorf ueberhaupt an Lebensmitteln zur Verfuegung hatten. Jeder Tante Emma Laden bei uns fuehrt ein vielfach groesseres Sortiment als den Menschen dort zur Verfuegung stand. Naechtelang habe ich dort gelegen und vor meinem inneren Auge sind, wie am Fliessband, Nahrungsmittel vorbeigezogen. Ich habe sie gesehen, gerochen, ich hatte den Geschmack im Mund. Sie glauben gar nicht, was da alles zusammen gekommen ist.<\/p>\n<p>Mir sind nach zwei Wochen die Beine weggeknickt. Gequollener Mais mit Gemuese ist nicht der Kalorienbringer schlechthin. Mit dieser Nahrung kommen Sie und ich nicht aus. Ganz sicher nicht. Ich hatte einfach nur Hunger. Hunger, bis unter beide Arme, wie man so schoen sagt. Ein Gefuehl, dass sich wohl kaum jemand in unserem Lande vorstellen kann. Es sei denn, Sie sind an die 80 Jahre alt. Dann koennten Sie noch Erinnerungen an die Nachkriegszeit haben. Alle anderen, ausnahmslos alle anderen haben nicht die Spur einer Vorstellung davon, was Hunger bedeutet.<\/p>\n<h2>Haben Sie mich richtig verstanden?<\/h2>\n<p>Wenn Sie jetzt lachen, dann haben Sie nicht verstanden wovon ich spreche. Ich spreche nicht von Appetit, ich spreche\u00a0von <strong>schierem blankem Hunger<\/strong>. Ich spreche davon, zu <strong>nicht genug<\/strong>\u00a0zu Essen zu haben. Ich spreche davon, jeden Tag erneut ums Ueberleben kaempfen zu muessen. So wie es die Menschen dort in dem Dorf in Nepal tagtaeglich tun mussten. Diese Erfahrung, wenn auch nur auf Zeit, hat mich nie mehr losgelassen. Bis zum heutigen Tag.<\/p>\n<p>Nun, ich bin nach vier Wochen wieder abgereist. Nach den zwei Tagen Rueckmarsch durch die Huegel musste ich mich erst einmal mehr als eine Woche erholen. So geschwaecht war mein Koerper. Ich konnte kaum laufen, mich kaum bewegen. Habe mich ein mal am Tag in Kathmandu in ein Restaurant geschleppt und gegessen, den Rest der Zeit im Bett gelegen.<\/p>\n<h2>Eine Appell an Sie<\/h2>\n<p>Lassen Sie sich Ihren Weihnachtsschmaus ruhig schmecken. Sie haben ihn sicher verdient. Aber eine Bitte habe ich an Sie. Weihnachten ist nicht nur die Zeit fuer Geschenke, nicht nur die Zeit des Schlemmens, sondern auch die Zeit, einmal ueber andere Menschen nachzudenken. Da waere es sicher nicht schlecht, einmal an all die Menschen ueberall auf der Welt zu denken, die nicht genug zu essen haben. Lassen Sie diese Menschen an Ihrem &#8222;unermesslichen&#8220; Reichtum teilhaben.<\/p>\n<p>Zum Beispiel durch eine Spende an die Deutsche Welthungerhilfe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19786\" aria-describedby=\"caption-attachment-19786\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.welthungerhilfe.de\/home.html\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-19786\" src=\"http:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/260px-Welthungerhilfe_logo.svg_.png\" alt=\"Welthungerhilfe\" width=\"260\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/260px-Welthungerhilfe_logo.svg_.png 260w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/260px-Welthungerhilfe_logo.svg_-100x69.png 100w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/260px-Welthungerhilfe_logo.svg_-150x104.png 150w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/260px-Welthungerhilfe_logo.svg_-200x139.png 200w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19786\" class=\"wp-caption-text\">Welthungerhilfe<\/figcaption><\/figure>\n<h2><a href=\"http:\/\/www.welthungerhilfe.de\/home.html\" target=\"_blank\">Deutsche Welthungerhilfe e.V<\/a>. Sparkasse K\u00f6lnBonn<\/h2>\n<h3>Konto: 1115\u00a0\u00a0\u00a0BLZ: 370 501 98\u00a0\u00a0\u00a0IBAN: DE15370501980000001115\u00a0\u00a0\u00a0BIC: COLSDE33<\/h3>\n<p>Warten Sie nicht. Helfen Sie.<\/p>\n<p>In diesem Sinne, ich wuensche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"480\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/f9qnqXL_OIU\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist nicht mehr lange, und Sie sitzen neben dem Weihnachtsbaum, der Tisch ueppig gedeckt mit allerlei Koestlichkeiten, und lassen sich diese auf der Zunge zergehen. Gaensebraten, Himbeertorte vielleicht? Kein Problem, mache ich auch. Ein Festschmaus zu Weihnachten sei jedem zugestanden. Nach einem\u00a0arbeitsreichen Jahr darf man sich schon mal was goennen. 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