{"id":18793,"date":"2014-05-27T15:00:41","date_gmt":"2014-05-27T13:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/?p=18793"},"modified":"2014-05-27T22:06:59","modified_gmt":"2014-05-27T20:06:59","slug":"high-society-meets-aboriginie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/high-society-meets-aboriginie\/","title":{"rendered":"High society meets Aborigines, oder was einem so auf dem Dorf passieren kann."},"content":{"rendered":"<p>Ich bin sicher, die Stadtmenschen unter meinen Lesern wissen gar nicht, wie es ist, auf dem Dorf zu wohnen. Der Fairness halber muss man wohl umgekehrt das Gleiche annehmen. \ud83d\ude42 Nehmen wir mal das Dorf, in dem wir wohnen. So weit weg vom Schuss ist das gar nicht. Duesseldorf ist in einer halben Stunde zu erreichen, Koeln in 40 Minuten. Moenchengladbach in 20, Neuss in 10. Also keineswegs in der &#8222;Pampa&#8220;, wie man so schoen sagt. Auch ist das Dorf selbst laengst nicht mehr so unberuehrt wie es frueher einmal war. Eine kleine Neubausiedlung, einige Einfamilienhaeuser neuerer Bauart auf der Hauptstrasse, aber zum Glueck noch kein Gewerbegebiet. Wer hier noch Fachwerkhaeuser sucht, der wird nicht fuendig. Wer hier Kuehe erwartet, die am Abend durch die Strassen getrieben werden, der wird enttaeuscht sein. Und wer glaubt, die Dorfbewohner truegen noch Lederhosen und Dirndl, der liegt auch falsch. Und das nicht nur, weil es nicht in Bayern liegt&#8230;<\/p>\n<h2>Nicht ganz der Nabel der Welt<\/h2>\n<p>Und doch, es ist schon ziemlich weit weg vom Schuss.<!--more--> Es liegt an einer Nebenstrasse, die von Ortsfremden so gut wie nie befahren wird. Eine Buslinie einmal pro Stunde (an Werktagen..), \u00a0gelegentlich ein Motorradfahrer, der mit 90 Sachen und aufgebohrtem Auspuff wie der Irre die Hauptstrasse entlang donnert, oder eine Gruppe Radrennfahrer mit \u00e4hnlicher Geschwindigkeit&#8230;. Weiter tut sich hier kaum etwas. Bis auf den jaehrlich stattfindenen Tag der Offenen Tuer beim oertlichen Gefluegelzuechter (und vielleicht dem meinigen \ud83d\ude42 ) ist hier nicht allzu viel los. Selbst das Schuetzenfest lockt kaum Besucher aus den Nachbardoerfern an. Eine Schiessbude in der es nicht einmal mehr die obligatorischen Minischraubenzieher zu schiessen gibt, eine mit fettigen Pommes , eine mit teurem Suesskram und manchmal ein Kinderkarussell. Das ist alles.<\/p>\n<p>Ein oder zwei mal im Jahr hoert man von einem Einbruch, ab und zu mal eine Oelspur, zu der die Freiwillige Feuerwehr ihren grossen Tag hat. Eine Kapelle, kein Baecker, ueberhaupt kein Laden. Ein kleiner, nicht sonderlich ueppig ausgestatteter Kinderspielplatz und ein Kriegerdenkmal. Aber einen kleinen, eint\u00e4gigen Weihnachtsmarkt! Zack, so sieht es hier aus, in dem Dorf in dem wir wohnen. Hier toben keine Baeren, auswaertige Fahrzeuge sieht man hier eher selten.<\/p>\n<p>Der Kleine feiert demnaechst seinen Geburtstag. Hat sich einen &#8222;Naturgeburtstag&#8220; ausgesucht. Wir haben schon einen Stapel Bienenschleier besorgt, damit er und seine Freunde auch mal eine Wabe in die Hand nehmen koennen. Die Huehner haben wir schon gebrieft, bloss keinem der Gaeste auf die Schuhe zu scheissen, und die Kaninchen kriegen jetzt schon Herzrasen, wenn sie an die 8 Paar Haende denken, die sie in einigen Tagen von oben bis unten und von rechts nach links zu streicheln versuchen. Aber da muessen sie durch.<\/p>\n<h2>Einen Augenblick, ich komme gleich zum Thema \ud83d\ude42<\/h2>\n<p>Eine Tierart fehlt in der Liste allerdings noch. Gaense. Die hatte sich der Kleine unbedingt dazu gewuenscht. Ein richtiger Naturkindergeburtstag ohne Gaense macht doch keinen Spass. So habe ich kurzerhand Gaense bestellt. Letztens bekam ich den Anruf, ich koenne sie abholen. Ich also den Einachser angeworfen, den Kleinen auf den Anhaenger gesetzt und los, durchs Dorf zum oertlichen Gefluegelzuechter. Mein Gespann auf dem Schotterparkplatz abgestellt und gewartet. Denn, in die Hallen mit den Gaensen duerfen wir nicht rein. Hygiene!<\/p>\n<p>Der Kleine tobt und springt auf dem Anhaenger herum, das Gesicht bis unter die Ohren mit Schokoladeneis verschmiert, ein paar Werkzeuge auf dem Haenger, eine Packung Schneckenkorn, ein paar Nylonschnuere, mit denen Strohballen zusammengehalten werden und mit denen der Kleine Lasso spielt. Vom Schneckensammeln verklebte Handschuhe, eine Rosenschere, eine Machete, eben all das, was so auf den Anhaenger eines Moechtegern-Selbstversorgerbauern gehoert. Meine Jeans mit Huehnerkacke und Erde waere ohne mich auch stehengeblieben. Meine Haende noch voll mit Propolis und Russ vom Smoker. Ich denke mal, wir beide haben da einen recht sonderbaren Eindruck gemacht.<\/p>\n<h2>Ja, ich komme gleich auf den Punkt \ud83d\ude42<\/h2>\n<p>Wie wir da so stehen, auf diesem Schotterplatz und auf die Ladung Gaense warten, kommt ein Rolls Royce angefahren. Also ehrlich, so ein richtiges protziges Ding, so einer mit diesem gefluegelten Wasauchimmer auf der Kuehlerhaube. Blank polierter Silberlack, der Schriftzug &#8222;Silver Shadow&#8220; am Heck, die Karre hatte bestimmt mehr PS als der Traktor, der daneben stand. (Nicht meiner, sondern der vom Gefluegelzuechter. \ud83d\ude42 So ein vollkommen unnuetzes Ding, mit dem man nicht mal seine Kartoffelernte aus dem Garten zur Kellertuer fahren kann. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Jedenfalls kommt dieser Rolls Royce angefahren und haelt direkt hinter meinem Einachser, auf dem immer noch der Kleine wie ein Berserker herumtobt. Drin sitzen vorne zwei Pinguine und auf der Rueckbank zwei designerm\u00e4\u00dfig gekleidete Damen, deren goldene Zeit allerdings bestimmt schon ein paar Jahrzehnte zurueck liegt.<\/p>\n<h2>Wir kommen der Sache schon naeher \ud83d\ude42<\/h2>\n<p>So was habe ich hier noch nie gesehen. Was um alles in der Welt verschlaegt die High Society in dieses Kaff und dann auch noch auf den Hof des oertlichen Gefluegelzuechters? Ich bin sicher, einen Rolls Royce hat die Hauptstrasse im Dorf noch nie gesehen.<\/p>\n<p>Eine der hinteren Tueren geht auf und eine der Damen steigt aus. Am Hals und an den Haenden Klunker, die bestimmt noch mal so viel gekostet haben muessen wie die Blechkiste, aus der sie ausgestiegen ist. Zuerst geht sie, ohne mich eines Blickes zu wuerdigen, ins Buero des Gefluegelzuechters, kommt aber nach kurzer Zeit wieder heraus und auf uns beide zu. Der Kleine wirft gerade wieder sein Lasso aus Nylonschnueren und spielt Gaensejagd. Meine strubbeligen Haare und der seit Tagen nicht mehr gestutzte Bart weisen uns ganz sicher als Einheimische aus, quasi als Ureinwohner. Die muss sich gefuehlt haben wie auf einer Safari. Wilde ungehobelte Kinder, verdreckte Erwachsene, dann noch dieses urtuemliche Gefaehrt, wir hatten bestimmt etwas von einem Tuareg auf seinem Kamel. Und wenn der Kleine weiterhin so am Honigtopf klebt, wird er auch bald so einen dicken Bauch haben, nur nicht vor Hunger.<\/p>\n<h2>Es geht gleich los \ud83d\ude42<\/h2>\n<p>Die Frau bleibt vor mir stehen, mustert mich von oben bis unten und wieder hinauf, dann den Kleinen, ich meine, ein leichtes Naseruempfen bemerkt zu haben, und fragt mich, nach einer Adresse im Dorf. Dort soll ein Baugrundstueck zu verkaufen sein, so haette es ihr Makler gesagt. Ich konnte der Dame leider nicht helfen. Ich kenne nicht einmal die Namen der Strassen im Dorf, geschweige denn die Hausnummern. Sie bedankt sich, steigt wieder ein und ich sehe noch, wie die vier im Wagen anfangen zu lachen. Worueber moegen die wohl gelacht haben? Doch nicht etwas ueber uns beide? \ud83d\ude42 Hat nur noch gefehlt, dass sie dem Kleinen einen Kugelschreiber geschenkt haette. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Geld kommt immer zu Geld, das war schon immer so. Wer einen Rolls Royce besitzt, der kauft auch Grundstuecke in kleinen Doerfern, um dort Mietshaeuser drauf zu bauen, damit aus Geld noch mehr Geld wird. Ich kann das naemlich nicht. Zum Glueck.<\/p>\n<h2>Das es so etwas ueberhaupt noch gibt<\/h2>\n<p>Das es noch Leute gibt, die mit einem Rolly Royce umherfahren und ihren Reichtum so zur Schau stellen. Einen S Klasse Mercedes haette ich ja noch verstehen koennen, aber doch nicht so eine Karre. Dekadenter kann man sich nicht auffuehren. Unpassender haette man hier im Dorf nicht auftauchen koennen. Laecherlicher haette man sich nicht machen koennen. Das schaffe selbst ich mit meinem Einachser und einer Ladung Gaense auf dem Anhaenger nicht. Was ist in deren Leben bloss schief gelaufen, um sich derart zu benehmen?<\/p>\n<p>Wissen Sie, worauf ich gewartet habe? Ich habe jeden Moment angenommen, diese High Society Mitbuerger haetten ihre Kamera gezueckt und mich gefragt, ob sie von uns beiden Ureinwohnern ein Photo machen duerfen. Das haetten sie dann bei der naechsten Bingorunde herumgehen lassen und dabei davon erzaehlt, wie sehr wir beide sie an Folklorevorstellung beim letzten Wochenendtrip zum Ayers Rock erinnert haetten.<\/p>\n<h2>High Society meets Aborigines.<\/h2>\n<p>Also ehrlich, ich fahre viel lieber mit meinem Einachser. Der nimmt es mir nicht uebel, wenn an meiner Hose Huehnerkacke klebt und, ob Sie es glauben oder nicht, ich finde auch die Hausnummer 50, wenn ich will. Die Rolls Royce Fahrer offensichtlich nicht. Die habe ich naemlich spater immer noch durchs Dorf irren sehen. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin sicher, die Stadtmenschen unter meinen Lesern wissen gar nicht, wie es ist, auf dem Dorf zu wohnen. Der Fairness halber muss man wohl umgekehrt das Gleiche annehmen. \ud83d\ude42 Nehmen wir mal das Dorf, in dem wir wohnen. So weit weg vom Schuss ist das gar nicht. 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