{"id":15658,"date":"2012-11-17T23:05:02","date_gmt":"2012-11-17T21:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/?p=15658"},"modified":"2012-11-17T22:58:27","modified_gmt":"2012-11-17T20:58:27","slug":"mietkoch-fuer-selbstversorger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/mietkoch-fuer-selbstversorger\/","title":{"rendered":"Miet mich, ich bin ein Koch, oder von Gummienten und Kiwanomousse. (Video)"},"content":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich das mal vor. Ein Koch, 6 Erwachsene, zwei Jugendliche und zwei kleine Kinder in einer Kueche halb so gross wie eine durchschnittliche Autogarage. Alle mit dem festen Willen, nach Kraeften mithelfen zu wollen, alle mit knurrendem Magen und noch schlimmer, alle ohne wirklich tiefgreifende Erfahrung in der &#8222;Haute Cuisine&#8220;. Bei jeder Bewegung trifft man sicherlich einen Fuss, der im Weg steht, bei jeder Drehung schlaegt man jemandem mit dem Ellenbogen die gerade geschnittenen Pastinaken aus der Hand. Und dann ich noch mittendrin, mit meinen Kameras, mit meinem Stativ und der immerwiederkehrenden Ermahnung, doch mal alle leise zu sein, ich muesse schnell mal eine Aufnahme machen! <!--more--><\/p>\n<h2>Zuviele Koeche verderben den Brei<\/h2>\n<p>Das kann nicht klappen. Beim allerbesten Willen nicht. So muss ich all jene enttaeuschen, die sich als Fortsetzung eine filmische Dokumentation der Fertigkeiten unseres Mietkochs gewuenscht haben, in der Art wie <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/neulichimgarten-und-das-fernsehen\/\">Bjoern Freitag<\/a> es macht. Ich haette es liebend gerne getan, aber unter diesen Voraussetzungen keine Chance. So kann ich nur mit dem Ergebnis dienen, dessen was nach mehr als fuenfeinhalb Stunden Kocherei letztendlich auf dem Teller lag. Aber auch das ist schon ein Film wert.<\/p>\n<p><strong>Pulpo Carpaccio auf Fenchel-Orangen-Salat<\/strong><\/p>\n<p>Muss ich sagen, eine leckere Sache. Wenn auch nicht ganz aus eigener Produktion. Ich habe es ja erwaehnt, einige kleine Zugestaendnisse mussten wir aus Ruecksicht auf die Familie machen. Haette man aber sicherlich auch mit selbstgepresstem Apfelsaft zubereiten koennen.\u00a0 Oder aber weisse Johannisbeeren koennte ich mir vorstellen. Mir jedenfalls hat&#8217;s geschmeckt.<\/p>\n<p><strong>Kalbsfilet mit Kraeuterfarce gefuellt<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin vielleicht doch zu sehr Kind meiner Eltern. Wenn schon Fleisch, dann auch <strong>Fleisch<\/strong>. Allerhoechstens noch mit Sauce. Aber lecker war&#8217;s trotzdem.\u00a0Ein ziemlicher Aufwand, so eine Kraeuterfarce herzustellen. Und dann erst die Temperaturen, die da einzuhalten sind. Einer der grossen Vorteile an unserem Mietkoch war ja, dass wir Fragen stellen konnten ohne Ende. Diese Gelegenheit haben wir auch reichlich genutzt. Um all die Informationen zu bekommen, muessen Sie schon einen Volkshochschulkurs in Sternekocherei belegen. \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>Gemuesestrudel<\/strong><\/p>\n<p>Das war eine leckere Sache, auch wenn der Teig doch nicht aus unserem eigenen Getreide entstanden ist. Einfach keine Zeit dazu. Ich habe mir erklaeren lassen, dass es wohl ziemlich schwer sein soll, so einen Strudelteig hinzubekommen. Der war so duenn ausgerollt, da konnte man durchsehen.<\/p>\n<p><strong>Mousse-Variation aus Himbeere, Schokolade und Kiwano<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn ich nicht so sehr auf Suesskram stehe, (ich muss den Kindern doch mit gutem Beispiel vorangehen \ud83d\ude42 ), bei\u00a0diesem Dessert konnte auch ich nicht nein sagen. Besonders die Himbeer-, aber vor allem die Mousse aus Kiwano. Den anderen hat die Kiwanomousse nicht sonderlich geschmeckt, was sicherlich nicht an der Zubereitung gelegen hat. Recht herb, dafuer aber exotisch. Selbst wuerde ich mir allerdings kaum die Muehe machen, Kiwanomousse selbst herzustellen. In der Zeit, in der ich ein ganzes Mittagessen fuer mich und die Familie koche, hat unser Koch gerade mal die Kiwano passiert. OK, vielleicht auch noch die Himbeeren. \ud83d\ude42 Selbst der Koch meinte, Kiwano w\u00fcrde nicht seine Lieblingsfrucht werden &#8230;<\/p>\n<p><strong>Barbarie-Ente mit Olivensauce<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, bei diesem Federtier hat sich auch unser Mietkoch ein wenig verkalkuliert. Ungelogen, das Tier hat fuenfeinhalb Stunden gebraucht, bis es vom Zustand Gummiente in den Zustand tafelfertig gewechselt hat. Das hat aber mit Sicherheit nicht am Koch gelegen. Wir haben es ihm aber auch schwer gemacht. W\u00e4re es eine aufgetaute Ente und kein frisch geschlachteter Erpel gewesen, h\u00e4tte sich die Zubereitungszeit\u00a0sicherlich um\u00a01 &#8211; 1,5 h verk\u00fcrzt. Erst einmal kam der Erpel\u00a0fuer einige Stunden in den Backofen, dann zerlegt und noch mal fuer lange Zeit hinein. Eine der ersten Taten unseres Kochs war, mit der Zubereitung der Sauce zu beginnen. Ich glaube, von allen Speisen hat diese am laengsten gedauert. Von der ersten bis zur letzten Minute blieb der Topf auf dem Herd, staendig unter Feuer. Ich habe in meinem Leben noch nie so lange an etwas herumgekocht, nicht einmal annaehernd.<\/p>\n<p>Jedenfalls wissen wir jetzt, dass auch eine Gummiente lecker und zart zubereitet werden kann. Man muss sie nur lange genug im Ofen belassen. Irgendwann gibt sich auch die zaeheste Barbarieente von Moechtegern-Selbstversorgern geschlagen. Fuer die restlichen Enten sollte ich vielleicht schon mal einen Strom-Sonderpreis mit\u00a0RWE aushandeln. 13 Enten, jede fuenfeinhalb Stunden, macht 71,5 Stunden Zubereitungszeit. Au weia.<\/p>\n<h2>Und, noch einmal?<\/h2>\n<p>Aber klar doch. Jederzeit. Beim Abschied habe ich schnell noch danach gefragt, was ein &#8222;Monatsabo Mietkoch&#8220; kosten wuerde. Leider habe ich nur ein Grinsen erhalten. Muss wohl doch an unseren Enten gelegen haben. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Herzlichen Dank nochmal f\u00fcr den leckeren, lustigen\u00a0und lehrreichen Abend, und da\u00df Sie, lieber Herr Mathon, meinen rheinischen Humor verstanden haben.\u00a0<\/p>\n<p>Wer es auch mal versuchen moechte, wer auch mal einen &#8222;ruhigen&#8220; Abend im Kreise seiner Liebsten verbringen moechte, dabei noch viel lernen und gut essen moechte, dem sei dringend angeraten, es auch mal zu versuchen. Ich kann es nur empfehlen. (Muss ja nicht unbedingt Gummiente sein) \ud83d\ude42<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alexandre-mathon.de\/\" target=\"_blank\">Hier die Internetseite <\/a><\/p>\n<h2>Die letzten Worte<\/h2>\n<p>Eines stimmt mich allerdings traurig. Das Geburtstagskind, meine Mutter hatte sich schon nach wenigen Minuten an unserer Kuechenreibe den rechten Daumen verletzt. Richtig ein Stueck Fleisch herausgeschnitten. Und ich sach noch, pass bloss auf mit diesem Ding, das ist gefaehrlich. Aber zu spaet. Schon lag ein Stueck Daumen im Fenchelsalat. Die H\u00e4lfte der Kocherei hat sie gar nicht mitbekommen. Sie sass im Wartezimmer des Bereitschaftsarztes.<\/p>\n<p>So kann es einem gehen!<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"480\" height=\"315\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/WBy6_aymVaA\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich das mal vor. Ein Koch, 6 Erwachsene, zwei Jugendliche und zwei kleine Kinder in einer Kueche halb so gross wie eine durchschnittliche Autogarage. 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