{"id":14464,"date":"2012-06-02T23:40:11","date_gmt":"2012-06-02T21:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/?p=14464"},"modified":"2012-06-04T19:45:26","modified_gmt":"2012-06-04T17:45:26","slug":"familie-gesund-ernaehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/familie-gesund-ernaehren\/","title":{"rendered":"Von Tuetensossen, von einem Exoten und von den anderen."},"content":{"rendered":"<p>Es gibt doch immer wieder so kurze Momente, in denen mir schlagartig klar wird, wie weit wir von der bundesdeutschen Realitaet doch entfernt sind. Wir heisst, wir vier hier, die versuchen, ihre Ernaehrung in die eigenen Haende zu nehmen. Im alltaeglichen Leben denkt man weniger darueber nach. Man denkt, einen sooo grossen Unterschied zwischen uns und den anderen kann es doch gar nicht geben. Gesunde Ernaehrung sollte jedem am Herzen liegen, frische Produkte den Fertiggerichten vorzuziehen duerfte doch wohl in jedem anderen Haushalt auch die Praemisse sein. Man ist leicht verleitet, so zu denken. Ist aber nicht so. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Ich konnte nicht &#8222;nicht hinhoeren&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Vor einigen Tagen durfte ich wieder unseren Grossen vom Fussballtraining abholen. Meist bin ich einige Minuten frueher da, setze mich auf eine Bank und schaue mir das Spielchen eine Weile an. So setzte ich mich auch an diesem Tag wieder auf die Bank und schaute zu. Neben mir sassen vier &#8222;gestandene&#8220; Hausfrauen mittleren Alters und warteten ebenfalls. Alle natuerlich Muetter von kleinen Kindern, naturgemaess. Jetzt sassen sie so nah, es war nicht moeglich nicht hinzuhoeren. Die unterhielten sich naemlich ueber&#8217;s Essen. <\/p>\n<p><strong>Meine Kinder essen das so gerne<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Wir sollten mal wieder die und die Rahmsosse mit Schnitzel machen&#8220; meinte eine. &#8222;Au ja, die schmeckt prima. Die kenne ich.&#8220;<br \/>\n&#8222;Nein, nicht die, die andere, die mit Zwiebeln und Knoblauch. Die essen meine Kinder immer so gerne&#8220;. <\/p>\n<p>Auch die anderen konnten mitreden. Worum es da ging war allen klar. Es ging um irgendwelche Fertigsachen aus der Tuete. So ging es minutenlang. Die eine Tuete wurde besprochen, dann eine andere. <\/p>\n<p><strong>Und wir?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann wir hier die letzte Tuetensuppe oder Sosse verwendet haben. Die letzte Tuete dieser Art duerfte vor mehr als 5 Jahren eine dieser Salatsossen im Tuetchen gewesen sein. Diese Tueten waren auch nur dann eine Alternative, wenn es wirlich schnell gehen musste. Heutzutage kaeme ich im Leben nicht auf den Gedanken, mir so eine Tuetensosse zu kaufen. Ich gebe ja zu, die sind bestimmt lecker. Eine so grosse Auswahl, wie sie im Tuetenregal zu finden ist, kann ich in der Kueche nicht zaubern. Verglichen damit sind die Gerichte, die aus unserer Kueche kommen, geradezu langweilig und fad. Besonders wenn ich koche. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Trotzdem, ehe ich so eine Tuete kaufen wuerde, ginge sprichwoertlich &#8222;die Welt unter&#8220;. <\/p>\n<p>Was mich aber an dieser Unterhaltung ganz besonders schockiert hat, war der offensichtliche Bezug zur Werbung. &#8222;Meine Kinder essen das immer so gerne&#8220;. An diesen Worten und der Art wie sie gesagt wurden, war genau zu erkennen, wo der Hase langlaeuft. Es klag genau so wie in der Werbung, wo die ganze Familie samt Hund am Tisch sitzt, und Mutter stellt die Pfanne Rahmgeschnetzeltes auf den Tisch. Die Kinder jubeln, und Papa faehrt sich mit der Zunge ueber die Lippen. <\/p>\n<p>Da hat Mama ja wieder was ganz besonderes gezaubert! Mama, wir lieben dich. Mama, du bist die Beste! <\/p>\n<p><strong>Jedem das Seine<\/strong><\/p>\n<p>Ich meine, jeder kann machen was er will. Jeder kann essen, was er will, und jeder kann leben, wie er will. Ich mache auch niemandem einen Vorwurf und schon gar keine Vorschriften. Was mich dabei eben nur ins Gruebeln bringt sind wir hier mit unserem Versuch zu leben. Erst gestern noch habe ich bis nach Mitternacht Holundersirup eingekocht. Den Tag davor zwei Dutzend Glaeser Holundergelee eingekocht, auch bis mitten in der Nacht (deswegen keine Artikel \ud83d\ude42 ). Alles nur, damit die Kinder nicht immer nur nach Fanta oder Cola schreien. Alles nur, damit die Kinder einen leckeren Joghurt bekommen, selbst hergestellt und mit Holundergelee verfeinert und eben keinen Dr. Becker, Olmigurt oder wie die alle heissen. Und wollen die Kinder am Nachmittag was Suesses, dann schicke ich sie in den Garten Erdbeeren pfluecken und mache daraus einen Erdbeershake. Dabei gibt es die bestimmt viel leckere in der Plastikflasche zu kaufen. <\/p>\n<p><strong>Es muss doch an uns liegen<\/strong><\/p>\n<p>Da kann doch was mit uns nicht stimmen. Ganz besonders mit mir. Meist gehe ich ja davon aus, eigentlich ein ganz normaler Mensch zu sein. Mit kleinen Macken zwar, aber im Grossen und Ganzen noch innerhalb der Toleranzbreite. Auch wenn ich bei jedem Fitzelchen Plastik, der hier ins Haus kommt und nicht unbedingt noetig ist, die Krise kriege. Auch wenn ich durchgesetzt habe, dass seit April hier kein Fernseher mehr laeuft (wir haben einfach nicht umgeruestet \ud83d\ude09 ) und auch wenn die Kinder mit mir zusammen im Burgerladen <strong>NIEMALS<\/strong> ein Kidsmenu mit Spielzeug bekommen, so denke ich doch, noch ziemlich normal zu sein. <\/p>\n<p>Waeren da nicht ab und zu diese kleinen Momente, die mich ins Gruebeln bringen. <\/p>\n<p>Ich muss wohl doch ein ziemlicher Exot sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt doch immer wieder so kurze Momente, in denen mir schlagartig klar wird, wie weit wir von der bundesdeutschen Realitaet doch entfernt sind. Wir heisst, wir vier hier, die versuchen, ihre Ernaehrung in die eigenen Haende zu nehmen. Im alltaeglichen Leben denkt man weniger darueber nach. 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