{"id":11938,"date":"2011-09-24T11:30:51","date_gmt":"2011-09-24T09:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/?p=11938"},"modified":"2011-09-24T11:01:27","modified_gmt":"2011-09-24T09:01:27","slug":"getreide-mit-dem-dreschflegel-selbst-dreschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/getreide-mit-dem-dreschflegel-selbst-dreschen\/","title":{"rendered":"Roggen dreschen wie zu Grossvaters Zeiten oder, von meinem Respekt vor unseren Vorfahren. (Video)"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt weiss ich es. Ich weiss jetzt, warum niemand sonst Getreide im Garten anbaut. Dabei ist Getreide doch, neben Kartoffeln unser Grundnahrungsmittel. Eigentlich muessten doch alle Hobbygaertner, die im Hinterkopf eine gewisse Selbstversorgung mit gesunden, biologisch angebauten Nahrungsmitteln im Sinn haben, genau dies ins Auge fassen. Mag sein, ich gehoere zu den Unbelehrbaren. Oder aber ich habe den Schuss nicht gehoert.<\/p>\n<h2>Unser Versuch, im Hobbygarten eigenes Getreide anzubauen.<\/h2>\n<p>Jeweils ca. 50 Quadratmeter Roggen und Weizen habe ich in diesem Jahr angebaut.\u00a0Zugegeben, nicht besonders viel. Laut meinen Informationen sind Erntemengen zwischen\u00a0einem halben und einem Kilo heutzutage machbar. Fuer die gesamten 100 Quadratmeter\u00a0kann ich also, selbst wenn es schlecht laufen wuerde, mit ca. 50 Kilo Getreide rechnen. Das wuerde schon fuer einige Brote reichen. Keine Selbstversorgung, aber immerhin.\u00a0<a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/getreideanbau-im-hobygarten-weizen-und-roggen\/\" target=\"_self\">Die Aussaat<\/a> war schon muehsam, ohne passende Geraetschaften, <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/roggenanbau-im-garten-ernte\/\" target=\"_self\">die Ernte<\/a> noch ein wenig muehsamer, aber was ich jetzt mit dem Dreschen, und mit dem spaeteren Trennen des Korns von der Sreu erlebt habe, ueber das ich in einem weiteren Artikel schreibe, hebt meinen Versuch noch einmal eine Stufe hoeher. Ich meine das mit der Unbelehrbarkeit. \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Als erstes hatte ich mir den Roggen vorgenommen. Diesen hatten wir lose geerntet, also n\u00edcht zu Garben gebunden, sondern einfach mit der <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/reichtig-mit-der-sense-arbeiten-will-gelernt-sei\/\" target=\"_self\">Sense<\/a> abgeschnitten und halbwegs trocken in einen Schuppen gelegt. Trockener wird er dort auch nicht, habe ich mir gedacht, und mich vor einigen Tagen ans Dreschen gemacht. Und davon moechte ich heute berichten. <!--more-->\u00a0<\/p>\n<h2>Ueber das Dreschen im allgemeinen.<\/h2>\n<p>Wie bekommt man aber die begehrten Koerner aus den Aehren, ohne Dreschmaschine? Darueber habe ich mir schon lange Zeit den Kopf zerbrochen. So viele Gedanken ich mir darueber aber auch gemacht habe, ich bin zu keinem anderen Ergebnis gekommen, als es genau so zu machen, wie es ueber viele Jahrhunderte von unseren Vorfahren auch gemacht wurde. Mit einem Dreschflegel. Zu allererst braucht man einen grossen, und ich meine einen wirklich grossen Dreschplatz. Dazu habe ich zwei Plastikplanen ausgebreitet, die aber immer noch nicht ganz gereicht haben. Ich habe im Laufe der Arbeiten festgestellt, dass ein fester Untergrund, also ein gepflasterter Hof oder eine Asphaltflaeche, eventuell mit Bettlaken ausgelegt, die bessere Variante gewesen waere. Ich habe meine Planen auf dem Rasen ausgebreitet, denke aber, die Schlaege mit dem Dreschflegel waeren auf einem haerteren Untergrund wirkungsvoller gewesen. Sowohl die Plane, als auch der Rasen federn die Schlaege etwas ab. Besonders die Plane fuehrt dazu, dass die Koerner\u00a0bei jedem Schlag\u00a0hochspringen und meterweit fliegen. Deshalb eben einen grossen Dreschplatz.<\/p>\n<h2>Getreide dreschen mit dem Dreschflegel.<\/h2>\n<p>Mein improvisierter Dreschflegel bestand aus einem alten Besenstiel, einem Vierkantholz, beide mit der Bohrmaschine gelocht und mit einem\u00a0Befestigungsband aus Plastik\u00a0verbunden. Ein schwereres Holz als Fichte waere sicher besser gewesen. Und eine andere Art der Befestigung haette die Arbeit noch mal erheblich erleichtert. Das Holz verkantete sich oft, wodurch der Arbeitsfluss immer wieder unterbrochen wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/selbstgebastelter-dreschflegel.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/selbstgebastelter-dreschflegel-200x300.jpg\" alt=\"selbstgebastelter-dreschflegel\" title=\"selbstgebastelter-dreschflegel\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-11963\" srcset=\"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/selbstgebastelter-dreschflegel-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/selbstgebastelter-dreschflegel.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><em>Mein selbstgebauter Dreschflegel. Fichtenholz ist etwas zu leicht und die Befestigung nicht optimal. Das Kantholz verkantet sich und unterbricht den Arbeitsfluss. Ziemlich nervig.<\/em><\/p>\n<p>Das Getreide in der Mitte aufgeschichtet und dann gedroschen. Ich weiss nicht, wie oft ich darauf herumgeschlagen habe. Es muessen Tausende Male gewesen sein. Und da ich ja so ein Erbsenzaehler bin, mir tat jede Aehre leid, in der noch ein Korn zu finden war. Ich habe es wirklich gruendlich gemacht. Aber so sehr ich auch zugeschlagen habe, jedesmal wenn ich genauer nachgesehen habe, konnte ich noch Aehren mit Koernern finden. Es ist wirklich mit vertretbarem Aufwand nicht machbar, alle Koerner aus den Aehren herauszuschlagen. Man muss nur ganz genau hinsehen, dann findet man immer noch welche.<\/p>\n<p>Ich bin so vorgegangen, dass ich zuerst alles Getreide grob ausgedroschen habe, sagen wir mal gut die Haelfte der Koerner. Danach wurde es gesammelt und als ich alles komplett durch hatte, der grosse Haufen nochmals durchgedroschen. Wenn nicht mehr so viele Koerner in den Aehren sitzen, spritzen sie nicht mehr so durch die Gegend und man kann wesentlich kraeftiger zuschlagen. Ab und zu das Stroh mal wieder in der Mitte zusammenschieben und weiter dreschen. Auf diese Weise habe ich drei Durchgaenge gemacht. Aber auch nach dem dritten Durchgang waren noch viel zu viele Koerner in den Aehren zu finden. Man muss aber irgendwann auch einsehen, alle wird man niemals erreichen. Jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand. So haben wenigstens die <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/wie-kueken-vor-feinden-schuetzen\/\" target=\"_self\">Huehner<\/a> auch noch was davon.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-von-hand-dreschen.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-von-hand-dreschen-300x200.jpg\" alt=\"roggen-von-hand-dreschen\" title=\"roggen-von-hand-dreschen\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-11964\" srcset=\"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-von-hand-dreschen-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-von-hand-dreschen.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>Das Ergebnis stundenlanger &#8222;Drescherei&#8220;. Eine Waschbuette voll Koerner.<\/em><\/p>\n<p>Warum es so war, weiss ich nicht. Nicht alle Aehren waren gleich. In einigen sassen die Koerner ziemlich locker. Das waren die, die grosse Koerner enthielten, die schon aus den Aehren herausstanden. Andere wiederum enthielten nicht so grosse Koerner, und diese dort herauszubekommen erforderte erheblich mehr Aufwand.\u00a0Die sitzen viel fester drin. Solch eine Aehre muesste man schon mit dem Dreschflegel mehrfach genau treffen, um die Koerner herauszuschlagen.<\/p>\n<h2>Eine boese Ueberraschung<\/h2>\n<p>Ich haette mir doch mehr Muehe bei der Ernte geben sollen. Lose aufgeschichtet war keine gute Idee. Obwohl der Roggen eigentlich trocken war, hat sich im Inneren des Haufens Schimmel gebildet. Es mag an den vereinzelt mitgeernteten Unkraeutern gelegen haben, die zu viel Wasser enthielten, vielleicht ist das Dach des Schuppens ein wenig undicht und Regenwasser ist duchgetropft. Jedenfalls musste ich ca. ein Drittel der Ernte entsorgen. Weisser Schimmelbelag auf den Halmen und ein ziemlich unangenehmer Geruch. Ich habe alles was mir trocken und nicht vom Schimmel befallen erschien nach Moeglichkeit abgeschnitten und ausgedroschen. Trotzdem, ich haette mehr ernten koennen. Schade drum. Aus Fehlern wird man klug.<\/p>\n<p>Die bessere Variante waere wohl gewesen, den Roggen sofort nach der Ernte zu dreschen und die Koerner zu trocknen. Wie weiss ich auch nicht, aber so wie ich es gemacht habe, war es keine gute Idee.<\/p>\n<h2>Ich habe grossen Respekt vor unseren Vorfahren.<\/h2>\n<p>Was habe ich nun aus diesem Versuch gelernt? Ich habe wirklich grossen\u00a0Respekt vor unseren Vorfahren, die auf diese Art und Weise ihr taeglich Brot schaffen mussten. Welch ein Aufwand, welch Muehe und Kraft noetig ist um ein paar Kilo geniessbaren Roggen zu erhalten kann man erst dann ermessen, wenn man es selbst versucht hat. Dabei bin ich ja noch nicht einmal fertig. Das Ergebnis dieser &#8222;Dreschrei&#8220; war eine Waschbuette voll dreckiger, staubiger,\u00a0halb ausgedroschener Aehren, ein mit Ohrenkneifern und anderem Getier durchsetzter Haufen, etwas, das nur entfernt mit einer Tuete Roggen aus der Getreidemuehle Aehnlichkeit hatte.\u00a0Heutzutage kauft man Getreide abgepackt in Tueten, sauber und wohlriechend. Niemand macht sich mehr Gedanken darueber, welch ein Segen so ein Maehdrescher eigentlich ist. Ein Maehdrescher haette diese 50 Quadratmeter in Sekunden abgeerntet. Herausgekommen waere ein Sack Getreide, fertig\u00a0verbacken zu werden. Meinereins hat alleine mit der Drescherei einen ganzen Tag verbracht. Gut, ich habe mir das alles sehr genau angesehen. Habe nach Moeglichkeiten gesucht, mir bei zukuenftigen Anbauversuchen die Arbeit zu erleichtern. So sehr ich aber auch nachgedacht habe, ich konnte keine Methode finden. Ist auch vermessen anzunehmen, unsere Vorfahren zu nicht motorisierten Zeiten waeren alle zu dusselig gewesen. Wenn es eine einfachere Moeglichkeit geben wuerde, sie haetten sie bestimmt erfunden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-selbst-gedroschen.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-selbst-gedroschen-300x200.jpg\" alt=\"roggen-selbst-gedroschen\" title=\"roggen-selbst-gedroschen\" width=\"300\" height=\"200\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-11965\" srcset=\"https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-selbst-gedroschen-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.neulichimgarten.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/roggen-selbst-gedroschen.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><em>Im &#8222;Rohzustand sieht das nicht sonderlich &#8222;lecker&#8220; aus. Staubig, dreckig, mit allerlei Ohrenkneifern, Aehren und Stroh durchsetzt. Das wird noch viel Arbeit, dies in halbwegs verzehrfertigen Zustand zu bringen. Aber darueber in einem weiteren Artikel.<\/em><\/p>\n<p>Ich kann wirklich nur hoffen, unser Weizen laesst sich einfacher dreschen. Hoffentlich tut meine <a href=\"http:\/\/neulichimgarten.de\/blog\/dies-und-das\/dreschmaschine-selber-bauen-ganz-einfach\/\" target=\"_self\">selbstgebastelte Dreschmaschine<\/a> ihren Dienst so, wie ich mir das vorstelle. Die Voraussetzungen sind besser. Der Weizen haengt zu Garben gebuendelt unter einem Dachvorsprung, kann gut trocknen und was noch viel wichtiger ist, alle Aehren haengen in eine Richtung, was mir hoffentlich erlaubt, sie mit der Maschine zu dreschen.<\/p>\n<p>Sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen, Roggen anzubauen, dann muss ich mir eine Sorte suchen, die standfester ist, die vom Wind nicht umgedrueckt wird. Vielleicht kennt sich ja jemand da draussen damit aus und weiss, welche Sorte weniger anfaellig ist. Ach so, mag ja auch sein, jemand da draussen kennt eine andere Verwendung fuer Roggen als ein Sauerteigbrot daraus herzustellen. Ich bin schon mal fuer jeden Hinweis dankbar.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"315\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/R-Z3B5WQqOE\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt weiss ich es. Ich weiss jetzt, warum niemand sonst Getreide im Garten anbaut. Dabei ist Getreide doch, neben Kartoffeln unser Grundnahrungsmittel. Eigentlich muessten doch alle Hobbygaertner, die im Hinterkopf eine gewisse Selbstversorgung mit gesunden, biologisch angebauten Nahrungsmitteln im Sinn haben, genau dies ins Auge fassen. Mag sein, ich gehoere zu den Unbelehrbaren. 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